Finanzalarm bei den Wiener Symphonikern

10. Mai 2005, 21:33
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Pensionsrückstellungen belasten die Bilanz

Wien - Am Dienstag, bei der Saisonpressekonferenz, sprach Symphoniker-Präsident Rudolf Streicher davon, dass das Wiener Orchester "sauber und ordentlich finanziert" sei. Nun verdichten sich Hinweise, dass die Finanzlage der Symphoniker tatsächlich etwas weniger rosig ist - laut profil schreibt das Orchester hohe Verluste.

So fehlten etwa 2002 1,7 Millionen Euro, 2003 betrug der Jahresverlust 2,3 Millionen, und für 2005 ist laut Wirtschaftsplan ein Abgang von 1,99 Millionen prognostiziert. Die Bilanz belasten würden vor allem hohe Pensionsrückstellungen. Mit den Subventionsgeldern würden die ASVG-Pensionen der Musiker auf das Niveau der städtischen Beamten angehoben.

Allein dafür müsse der Verein Rückstellungen in Höhe von 32,2 Millionen Euro bereithalten - ein Betrag, der freilich unmittelbar "nicht zahlungswirksam" sei, so Streicher. Der Wirtschaftsprüfer der Symphoniker, die KPMG Alpen-Treuhand GmbH, habe in seinem Prüfbericht 2003 jedoch beanstandet, dass nicht einmal diese Rückstellungen ausreichen dürften. Der Fehlbetrag könnte bis zu 6,7 Millionen Euro betragen, heißt es demnach in dem Bericht.

Wird Streicher in einem Sitzungsprotokoll von 2003 noch damit zitiert, dass nicht anzunehmen sei, "dass die Stadt Wien 30 Millionen Euro in den Verein einzahlt, die notwendig wären, um die Bilanz auszugleichen", so meint er nun: "Aufgrund des bisherigen Verhaltens der Stadt Wien kann davon ausgegangen werden, dass auch in Zukunft der Bestand der Wiener Symphoniker gesichert ist."

Bisher waren die Wiener Symphoniker zu keiner Reform ihres Pensionssystems, etwa durch Einführung eines Pensionsbeitrages, bereit, so der Rechnungsprüfer des Vereins in einem Bericht aus 2004. Laut Präsident Rudolf Streicher ist die neue Geschäftsführung aber beauftragt, nach Lösungen zu suchen. (tos/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 5. 2005)

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