Weltraumschrott in Kohlendioxid-Fesseln

8. Mai 2005, 12:30
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CO2 scheint in mehreren hundert Kilometern Höhe atmosphärische Dichte zu verringern - technischer Abfall kann deshalb länger seine gefährlichen Bahnen ziehen

Southampton/London - Hunderte Kilometer außerhalb der Atmosphäre hat das Treibhausgas CO2 offensichtlich eine umgekehrte Wirkung wie darin: Nach Angaben von Wissenschaftlern der Universität von Southampton sorgt das Kohlendioxid dort für eine Verringerung der atmosphärischen Dichte. Dies führt etwa dazu, dass die Zeit, in der Satelliten dort bleiben können, verlängert wird, berichtet BBC-Online vom Treffen des European Space Operation Centre.

Die scheinbar guten Nachrichten über die umgekehrte Wirkung des CO2 werden allerdings durch die Tatsache der Zunahme von Weltraummüll getrübt. Durch die verminderte Dichte bleiben nämlich Abfallteile auch länger dort. Und deren Zahl soll derzeit bei etwa 100.000 Objekten liegen, die größer sind als Murmeln. Die Experten fürchten, dass Zusammenstöße mit Raumfähren oder Satelliten immer häufiger vorkommen werden. Das stelle die Weltraumfahrt und Hersteller von Raumschiffen vor große Probleme. Das Forscherteam um Graham Swinerd hat ein Computermodell erstellt, das errechnet wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Kollision mit Weltraummüll tatsächlich ist. "Dabei berücksichtigen wir etwa, dass nach einer Kollision weitere Wrackteile entstehen, die wiederum das Risiko einer weiteren Kollision vergrößern", so der Experte. Hinzu komme noch, dass die niedrigere Dichte dazu führt, dass Teile länger im All bleiben. "Es kommt zu einer Kettenreaktion", erklärt Swinerd.

Als besonders problematisch beschreiben die Experten die hohen Geschwindigkeiten der Müllteile. "In rund 2.000 Kilometer Höhe betragen diese etwa sieben Kilometer pro Sekunde." Zwei entgegenkommende Satelliten rasen dann mit relativen Geschwindigkeiten von 14 bis 15 Kilometer pro Sekunde aufeinander zu. Die Schäden nach solchen Einschlägen sind wegen der hohen kinetischen Energie extrem groß. "Das schlägt ein wie Dynamit", führt Swinerd aus, der zu denken gibt, dass die kleinsten Satelliten wie etwa Cerise mehrere zehn Mio. Dollar kosten. Bisher ist lediglich die ISS-Raumstation mit einer Schutzvorrichtung gegen Müll ausgerüstet.(pte)

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