Johanna Kandl als Herrin zweier Klassen

6. Mai 2005, 00:40
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Umbildungen an der Wiener Angewandten

Wien - Nicht nur an der Akademie der bildenden Künste, auch an der Universität für angewandte Kunst wird ein neuer Entwicklungsplan erstellt. Er sieht unter anderem vor, die Malereiklassen von Adolf Frohner und Wolfgang Herzig zusammenzulegen. Die Professur wurde ausgeschrieben, insgesamt 60 Künstler bewarben sich - darunter Otto Zitko, Xenia Hausner, Ona B., Julius Deutschbauer/Gerhard Spring, Nikolaus Moser, Sebastian Weissenbacher, Hans Weigand, Marie Luise Lebschick, Franziska Maderthaner, Eva Wagner und Hans Werner Poschauko.

Die Berufungskommission unterbreitete unlängst einen nicht gereihten Dreiervorschlag mit Lois Renner, Johanna Kandl und dem Kölner Maler Matthias Schaufler. Rektor Gerald Bast nahm bereits Verhandlungen mit Johanna Kandl auf: "Ich nehme an, dass wir uns einigen werden." Kandl soll einen Fünfjahresvertrag erhalten und die zusammengelegte Malereiklasse bereits im Herbst übernehmen. Bast gesteht ein, dass diese anfangs groß sein werde, "aber wenn man umstrukturiert, dann muss man irgendwo beginnen".

Für Kandl spreche, so der Rektor, dass sie "höchst aktuelle Tendenzen" vertrete, zudem "haben ihre Arbeiten einen sehr dezidiert sozialen Anspruch". Johanna Kandl (51) studierte von 1972 bis 1980 Malerei und Restaurieren an der Akademie der bildenden Künste. Aus ihrer Beschäftigung mit öffentlichen Räumen entstanden seit Ende der 80er Interventionen, Researches und kooperative Projekte, etwa mit einem Metall verarbeitenden Betrieb.

Weltläufigkeit

Im Zusammenhang mit künstlerischen und kuratorischen Projekten kam es zu zahlreichen Aufenthalten in Osteuropa und in der Sowjetunion, unter anderem in Georgien, Aserbaidschan, Ukraine, Russland, Polen, Rumänien, Litauen, Ex-Jugoslawien und Tschechien. Im November 1996 sorgte sie mit einer Aktion im öffentlichen Raum in Wien für Aufregung: Sie malte in der Herrengasse ein gelbes Kreidebild - und wurde von der Polizei verhaftet. Im Winter 2003/2004 vertrat sie mit der Ausstellung "Speaking in Public" Österreich auf der 9. Biennale in Kairo.

Keine Entscheidung ist bisher gefallen, wer die gegenwärtig vom Belgier Raf Simons geleitete Modeklasse übernimmt. Einen bekannten Designer zu verpflichten ist schwierig, das Interesse, nebenbei in Wien zu unterrichten, hält sich trotz vieler Anfragen in engen Grenzen: Bast liegen lediglich sieben Bewerbungen vor, darunter von Veronique Leroy und Veronique Branquinho. Helmut Lang und Muccia Prada sagten ab, Ralf Simons würde auch künftig zur Verfügung stehen. Für die Professur Industrial Design sind 20 Bewerbungen eingelangt, darunter von Fiona Rabi, Werner Aisslinger, Axel Thallemer und Ross Lovegrove. Die Entscheidung fällt in der zweiten Maihälfte.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.5.2005)

Von Thomas Trenkler
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