Pakistan: 13 weitere Al-Kaida-Mitglieder verhaftet

6. Mai 2005, 16:47
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Ermittler hoffen durch Festnahme von Abu Faraj Farj al Libbi auf Hinweise auf Versteck bin Ladens

Islamabad - Nach der Festnahme des führenden El-Kaida- Mitglieds Abu Faraj Abu Faraj Farj al Libbi haben pakistanische Sicherheitskräfte 13 weitere mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzes gefasst. Die neuen Festnahmen stünden in keinem Zusammenhang mit der Libbis, sagte der Leiter des Krisenzentrums im pakistanischen Innenministerium, Javbed Iqbal Cheema, am Donnerstag. Bis auf einen Usbeken seien alle Verdächtigen Pakistaner. In den kommenden Tagen seien weitere Operationen wahrscheinlich.

Von Libbis Festnahme erhoffen sich die pakistanischen Ermittler Hinweise auf das Versteck Osama bin Ladens. "Wir hoffen, dass wir einen Anhaltspunkt auf den Aufenthaltsort von Osama und seinem Stellvertreter bekommen", sagte ein hochrangiger Vertreter des Innenministeriums in Islamabad. Libbi wird auch als Nummer drei des Terrornetzes nach Osama bin Laden und dessen Vize Aiman al-Zawahiri beschrieben. Er gilt als einer der wenigen Al-Kaida-Führer, die den Aufenthaltsort bin Ladens kennen könnten.

Anschläge gegen Musharraf

Nach Abu Faraj wurde laut Rashid wegen verschiedener Anschläge gefahndet; so beschuldigt der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf den Gefassten, zwei Sprengstoffanschläge gegen ihn im Dezember 2003 geplant zu haben. Abu Faraj und die fünf Mitgefangenen würden von pakistanischen Ermittlern verhört, sagte Rashid.

Die Festnahme Abu Farajs sei ein "wesentlicher Sieg im Krieg gegen den Terrorismus", sagte Bush in Washington. Der Kampf gehe weiter: "Wir bleiben in der Offensive, bis Al Kaida besiegt ist", bekräftigte der US-Präsident. Ein US-Anti-Terror-Experte, der nicht namentlich genannt werden wollte, wertete die Festnahme als "wichtigen Schlag gegen Al Kaida". Abu Faraj sei "die Hand" gewesen, "die alle Terrormarionetten im Land bewegte", sagte ein hochrangiger pakistanischer Beamter, der von einem "sehr großen Erfolg" sprach.

Anweisungen von Bin Laden

Die pakistanischen Sicherheitsbehörden nehmen an, dass Abu Faraj nach der Festnahme des Al-Kaida-Chefs für Pakistan, Khaled Scheich Mohammed, im März 2003 an dessen Stelle trat. Scheich Mohammed gilt als Chef-Planer der Anschläge vom 11. September 2001. Abu Faradsch soll in Pakistan sämtliche Fäden des Al-Kaida-Netzwerks gezogen und den Auftrag gehabt haben, Musharraf zu beseitigen. Seine Anweisungen habe Abu Faraj direkt von Bin Laden erhalten.

Kopfgeld in Millionenhöhe

Pakistan hatte auf Abu Faraj eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 260.000 Euro ausgesetzt. Die USA hatten ihrerseits ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) geboten. Bisher wurden die meisten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA mutmaßlichen 700 in Pakistan festgenommenen Al-Kaida-Mitglieder diskret an die US-Geheimdienste überstellt und in das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht.

Die US-Behörden fahnden im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet weiterhin nach Al-Kaida-Chef Bin Laden und nach dem früheren Anführer der radikalislamischen Taliban in Afghanistan, Scheich Omar. Bin Laden wandte sich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 immer wieder in Video- oder Tonbotschaften an die Öffentlichkeit; von ihm fehlt aber jede Spur. (APA/AFP)

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    Pakistanisches Fahndungsplakat.

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    Das pakistanische Innenministerium veröffentlichte am Mittwoch dieses Bild des Verdächtigen. Er und anderen fünf weitere Gefangene würden derzeit verhört, hieß es.

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