Steiermark: "Nebenstraße" aus der Römerzeit freigelegt

11. Mai 2005, 11:57
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Besichtigung beim "Tag der offenen Tür" am 5. Mai in der Gemeinde Hengsberg in Anwesenheit der Archäologen

Graz - In der Marktgemeinde Hengsberg im weststeirischen Laßnitztal wird eine Römerstraße freigelegt. Es handelt sich um eine Nebenstraße, die das Gebiet südlich von Graz mit der römischen Siedlung in Deutschlandsberg verbunden hat. Möglicherweise hat sie bis nach Kärnten geführt, meinte der Grazer Grabungsleiter Gerald Fuchs. Am Donnerstag (5. Mai) wird ein "Tag der offenen Tür" veranstaltet, hieß es von Seiten des örtlichen Kulturparkes Hengist.

"Nahezu überall, wo man hineingräbt, kommt was raus", schildert Kulturparkmanagerin Martina Roscher die Besonderheiten der Region rund 30 Kilometer südlich von Graz. Und so mancher Bauer ist in der Gemeinde Hengsberg beim Pflügen schon auf eine merkwürdige Schotterschicht gestoßen. Selbst die Landwirte dachten dabei schon an den möglichen Verlauf einer alten "Römerstraße", weil es in diesem Bereich - "so weit man sich zurückerinnern kann" - nie einen Fahrradweg oder eine ähnliche Verkehrsverbindung gegeben habe.

Mögliche Abzweigung

Erste Sondierungen des Bundesdenkmalamtes im Jahr 2001 während des Baus der Trans-Austria-Gasleitung zeigten: Es könnte sich um eine Nebenstraße handeln, die im Raum Lebring bei Wildon von der römischen "Staatsstraße" im Murtal abzweigt und nach rund 26 Kilometern die römische Siedlung in Deutschlandsberg-Hörbing erreicht.

Nun werden weitere Grabungen durchgeführt. Bei Leitersdorf wird die Straße auf 250 Meter Länge freigelegt. Zur Anlage der Straße meinte der Leiter der aktuellen Grabungen, der Grazer Archäologe Gerald Fuchs vom Archäologie Service Argis, es handle sich um eine von einem römischen Ingenieur "genial geplante Kunststraße, sozusagen eine 'römische Autobahn', die den kürzest möglichen Weg nimmt und gleichzeitig schwieriges Gelände vermeidet". Die Fahrbahn ist viereinhalb bis fünf Meter breit und zu beiden Seiten von bis zu ein Meter tiefen Straßengräben begrenzt.

Viele Fragen noch offen

"Wir versuchen Einzelheiten über die Trassierung und Konstruktion der Römerstraße zu erschließen", so Fuchs. Wann genau sie errichtet und wie lange sie benutzt wurde, steht noch nicht fest. Weiters stelle sich auch die Frage, ob die Römerstraße in Deutschlandsberg als "Sackgasse" geendet hat, oder ob sie nicht vielleicht schon als fast 2.000 Jahre alter "Vorläufer" der Koralmbahn in die damalige Hauptstadt der Provinz Noricum, also Virunum in Maria Saal bei Klagenfurt, führte.(APA)

Beim "Tag der offenen Tür" am 5. Mai kann man in der Gemeinde Hengsberg zwischen 11.00 und 16.00 Uhr die Spuren römischer Straßenbaukunst besichtigen. Die Archäologen stehen für Auskünfte zur Verfügung.
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