Höchste CO2-Konzentration der letzten 700.000 Jahre

12. Juli 2006, 14:30
54 Postings

Experte der Münchener Rückversicherung: Selbst bei Stopp der CO2-Emissionen wird Klima in den nächsten 20 Jahren heißer

Wien - Malaria-Viren machen sich in Österreich breit - eine Utopie? Folgt man den Erläuterungen des Münchner Physikers und Meteorologen Prof. DDr. Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung der Münchener Rückversicherung, könnte das schon bald Realität werden - wegen des Klimawandels. Die Folgen sind unmittelbar sichtbar: Es gibt mehr und schlimmere Wetterkatastrophen mit höheren Schäden, wie es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien hieß.

Höchste CO2-Konzentration

Über Eisbohrkerne erhält man Hinweise auf die CO2-Konzentrationen früherer Perioden bis zu 700.000 Jahre zurück, erläuterte Höppe. Daraus ließ sich eruieren: "Es gibt keine Zeit, in der die CO2-Konzentrationen höher waren als jetzt", sagte der Münchner Experte. Damit habe man auch keine Vergleichswerte, wie sich solche Konzentrationen in der Vergangenheit ausgewirkt haben. Höppe: "Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang."

Dass sich das Klima verändert, nämlich erwärmt, ist dem Experten zufolge eindeutig. Alle zehn wärmsten Jahre seit 1861 waren in den vergangenen 17 Jahren, vier der fünf wärmsten waren 2001 bis 2004. Das sei die eine Seite, die andere seien die immer häufigeren extremen Wettersituationen. Höppe nannte als Beispiel den Hitzesommer 2003 - eine der größten Naturkatastrophen in Europa, die auf dem Kontinent rund 35.000 Tote forderte.

Solche Hitzewellen kamen bisher nur alle 450 Jahre vor. Der Georisikoforscher meinte, dass solche Sommer in 20 Jahren bereits alle vier bis sechs Jahre zu erwarten seien. Ebenfalls zu erwarten ist dann ein Anstieg der Maximumtemperatur um vier bis sechs Grad Celsius.

Überschwemmungen, Dürre- und Hitzeperioden, Unwetter

Auch Österreich wird vom Klimawandel betroffen: Mehr Überschwemmungen, Dürre- und Hitzeperioden, Unwetter sowie Hagel sei zu erwarten, sagte Höppe. Nadelwälder könnten auf lange Sicht in Gefahr sein. Von einer Ausweitung der Zecken verseuchten Gebiete sei auszugehen, zudem treten in Mitteleuropa neue, bisher nicht in diesen Gefilden gesehene Erreger auf - etwa Sandmücken in Deutschlands wärmster Region Baden-Württemberg, welche die Parasitose Leishmaniase übertragen.

All das ist Höppe zufolge auch und besonders relevant für Versicherungen. 2004 sei ein Rekordjahr mit 44 Milliarden US-Dollar (34,2 Mrd. Euro) versicherter Schäden weltweit gewesen. Die Versicherer werden reagieren müssen, ist sich Höppe sicher: "Wir sind noch nicht so weit, dass wir bestimmte Schäden nicht mehr versichern können." Aber es werde auf längere Sicht zu Prämienerhöhungen kommen. Pro Jahr seien etwa drei bis fünf Prozent notwendig. Auch würden die Gesellschaften die Selbstbehalte erhöhen. In Florida sei dies nach der Hurrikan-Rekordsaison 2004 bereits geschehen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Trockenperioden, wie unlängst in Thailand (Nakhon Ratchasima Provinz) sollen laut Münchner Rück in Zukunft immer häufiger auftreten.

Share if you care.