Keimfrei aufwachsende Kinder als potenzielle Asthma-Opfer

9. Mai 2005, 12:16
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Auftreten allergischer Erkrankungen im Kindesalter in den letzten 20 Jahren verdoppelt - 3. Mai ist Welt-Asthma-Tag

Wien/Graz - In Österreich leidet eines von zehn Kindern an Asthma. "Das bedeutet, dass sich die Allergie- und Asthmahäufigkeit im Kindesalter in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat", meinte Maximilian Zach von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz anlässlich des Welt-Asthma-Tages am Dienstag. Mit Schuld daran dürfte laut dem Experten übertriebene Hygiene sein.

Die "Hygienehypothese"

Hauptursache dafür sei, so Zach, dass "unsere Kinder zu sauber, zu keimfrei aufwachsen". Bestätigt werde diese "Hygienehypothese" durch eine aktuelle Studie, die in Österreich, Bayern und in der Schweiz durchgeführt wurde und nachweist, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen und sich oft in Ställen aufhalten, weniger häufig Asthma haben als Stadtkinder.

Alles in allem, so Zach, schütze übertriebene Sauberkeit zwar vor Infektionskrankheiten, "der Preis, der dafür aber zu zahlen sei, ist eine steigende Allergie- und Asthmahäufigkeit".

Der Umgang mit Infektionen

Zach appelliert an die Eltern, ihre Kinder vollständig durchimpfen zu lassen, weil sie nur dadurch gegen schwere Infektionskrankheiten geschützt seien. Man solle aber nicht verzweifeln, wenn Kinder oft an Infektionen leiden. Das sei ein natürlicher Prozess, bei dem die Kinder wichtige Widerstandskräfte erwerben. Das Immunsystem sei mit der Bekämpfung dieser Infekte beschäftigt und komme daher nicht auf "Abwege" wie Allergien und Asthma. "Häufige Infekte im Kindesalter sind daher durchaus auch positiv zu sehen", so Zach.

Er rät auch zu Gelassenheit bei Hygiene und Sauberkeit. Übertriebene Sauberkeit sollte in jedem Fall vermieden werden. Auch wenn einmal ein Schnuller auf den Boden fällt, sei dies in der Regel kein Grund, extreme Säuberungsmaßnahmen vorzunehmen.

Lieber auf Zigaretten als auf Haustiere verzichten

Man müsse auch nicht von vornherein auf Haustiere verzichten. Untersuchungen hätten gezeigt, dass frühkindliche Kontakte mit Haustieren eine Schutzfunktion gegen die Entwicklung von Asthma haben können.

Zusatzschädigungen der kindlichen Atemwege sollten vermieden werden. Hier wirke sich vor allem Rauchen zu Hause besonders schlecht aus. (APA)

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    foto: photodisc
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