Über den Ausgleich im Leben

4. Mai 2005, 16:01
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Die Austria bewies ge­gen Mattersburg, dass sie müde ist - Sollte es mit dem Titel nicht klap­pen, wird Frank Stro­nach sehr böse sein

Wien - Didi Kühbauer ist ein gewisser Charme (neben der noch immer vorhandenen fußballerischen Klasse) nicht abzusprechen. Fuchsteufelswild und hocherregt war der Didi nach dem 0:0 im Horr-Stadion, sein Blick so stechend, als hätten die Augen ihr Zuhause, nämlich die beiden Höhlen, fluchtartig verlassen. "Habt's des gesehen, den Jausengegner Mattersburg? Die müssen eigentlich in die Kirchen gehen und dem Herrgott Danke sagen. Bei denen kannst a no mit 45 locker spielen." Was für Kühbauer nie ein Thema sein wird und auch sein kann (Austria, igitt!), "weil i bin im Innersten ein Rapidler."

Natürlich neigt auch ein Kühbauer zu Wiederholungen, aber er trifft damit, bewusst oder nicht, die Kernproblematik des Seins. Ist nicht jeder Tag wie der vorvorige und der nächste, von zu vernachlässigenden Kleinigkeiten wie dem Wetter und dem Fernsehprogramm abgesehen? Die Austria scheint für diesen Trott, diese Leier, quasi prädestiniert zu sein. Vielleicht hat sie der liebe Gott am achten Tag geschaffen.

Man spielt am Samstagabend nicht unbedingt Fußball, damit die Partie torlos endet. Was wollte also Mattersburg? Trainer Franz Lederer hat es danach kundgetan. "Wir sind als Außenseiter hierher gekommen, um einen Punkt zu holen. Es wäre mehr drinnen gewesen." Sportdirektor Günter Kronsteiner ("vielleicht bin ich Sportmanager, ich weiß es nicht genau") über die ursprünglichen Ziele der Austria: "Wir sind nicht hierher gekommen, weil wir ja schon da sind. Wir wollten als Favorit drei Punkte, haben nur einen gemacht, und selbst der war infrage gestellt."

Kronsteiner malte ein düsteres Bild. Just bevor es gleich zweimal gegen den GAK geht, "der momentan faszinierende Tore schießt und der in der Rolle des Jägers richtig aufgeht". Die Austria sei hingegen völlig leer. Aufgrund der Überbelastung im UEFA-Cup, die man zwar wegstecken sollte, "aber nicht wegstecken kann. Weil sie da ist." Medizinische Tests hätten die Müdigkeit untermauert. "Physische Probleme ergeben zwangsläufig auch psychische, man wird unkonzentriert. Mir tun meine Spieler Leid, weil sie ja wollen."

Wird die Austria nicht Meister, wird Frank Stronach sehr, sehr böse sein, das weiß natürlich Kronsteiner, das Leben ist nämlich eine Wiederholung. Stronach weilt derzeit in Kanada, auch Generalmanager Toni Polster blieb dem 0:0 fern, um die familiären Bande in Köln zu pflegen.

Zwölf Profis sind mit Saisonende vertragslos (von Vastic über Gilewicz bis hin zu Vachousek, dem das Kreuzband gerissen ist), diese Situation ist laut Kronsteiner "unbefriedigend" und "vielleicht eine zusätzliche Belastung im Titelkampf. Jeder möchte wissen, was mit ihm passiert. Er hat das Recht darauf." Trainer Lars Söndergaard, den die Fans mögen, der aber nicht unbedingt als Stronachs Herzbub gilt, arbeitet auch im Vakuum, sagt aber: "Darum geht es nicht, das hat mit den Leistungen nichts zu tun."

"Noch haben wir es selbst in der Hand", betonte Kronsteiner, und es klang nicht einmal trotzig. "Geld schießt keine Tore", sprach der sich beruhigt habende Kühbauer, um dann eine wesentliche Neuigkeit loszuwerden: "Kein Geld schießt auch keine Tore. Das ist der Ausgleich im Leben." (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe 02.05.2005)

  • Das Straucheln im schönen Horrstadion: Dosunmu und Lang legen sich hin.
    foto: oczeret

    Das Straucheln im schönen Horrstadion: Dosunmu und Lang legen sich hin.

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