Sperrvertrag auf dem Prüfstand

2. Mai 2005, 22:16
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Einmonatige Uno-Konferenz beginnt heute in New York - Tauglichkeit des 35 Jahre alten Paktes soll abgeklopft werden

Genf/New York - Schützt der Atomwaffensperrvertrag (NPT, Non-Proliferation Treaty) die Staatengemeinschaft noch vor der Proliferation? Oder soll er angesichts neuer nuklearer Gefahren verschärft werden? Ab heute, Montag, werden die NPT-Vertragsstaaten bei der UNO in New York die Tauglichkeit des 35 Jahre alten Paktes abklopfen.

Der Atomwaffensperrvertrag, über dessen Einhaltung die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) wacht, unterscheidet zwischen den offiziellen Atommächten - China, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA - sowie den Nichtatommächten. Die Nichtatommächte dürfen keine nuklearen Waffen erwerben oder herstellen. Artikel IV des NPT erlaubt jedoch allen Staaten, die Atomkraft für friedliche Zwecke zu nutzen.

"Der NPT musste schwere Schläge einstecken", erklärt George Bunn, der auf US-Seite den Vertrag mit aushandelte. In der Tat vermochte aber das Paragrafenwerk weder die iranischen Mullahs noch den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-il von ihren atomaren Abenteuern abhalten. Während Teheran noch Mitglied des NPT ist und beteuert, nur zu friedlichen Zwecken Uran anreichern zu wollen, klinkte sich Pjöngjang 2003 kurzerhand aus. Seitdem brauchen sich die Nordkoreaner nicht mehr mit lästigen IAEO-Inspektoren herumzuschlagen - genauso wenig wie die anderen NPT-Nichtmitglieder Israel, Pakistan und Indien, allesamt Atomwaffenstaaten.

Zudem blüht der internationale Atom-Schwarzmarkt. Laut letzten Erkenntnissen der IAEO bieten mehr als zwei Dutzend Unternehmen und Einzelpersonen die Bauteile der Bombe an. "Das geht da zu wie im Wal-Mart", heißt es bei der IAEO. Die berüchtigte Bande um den pakistanischen Forscher Abdul Qadeer Khan etwa versorgte über zwei Jahrzehnte Nordkorea, Libyen und den Iran mit gefährlichem Material und Wissen.

Japans virtuelle Bombe

Wer in den Kreis der Atommächte aufrücken will, kann zunächst auch legal beginnen. Alle Mitgliedstaaten des Atomwaffensperrvertrages dürfen sich Nukleartechnologie und Materialien wie angereichertes Uran beschaffen - solange sie es zur friedlichen Nutzung der Atomkraft einsetzen. Mit der so genannten Dual-Use-Technologie und dem nötigen Know-how lässt sich dann aber gegebenenfalls ein militärischer Weg einschlagen. Nicht nur Schurkenstaaten wie Nordkorea profitieren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Hightechindustrie Japans innerhalb kürzester Zeit eine A-Bombe produzieren könnte. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2005)

Von Jan Dirk Herbermann

Kommentar von Gudrun Harrer: Nukleares Desaster

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