Nitin Sawhney: "Philtre"

    21. Oktober 2005, 15:26
    2 Postings

    Asiatischer Flamenco und indischer Blues - eine wunderbare Mixtur von Musikstilen

    Nitin Sawhney zählt zu den vielseitigsten Künstler Englands. Nach seinem Jusstudium gründete Sawhney, dessen Eltern aus Indien stammen, mit dem Schauspieler Sanjeev Bhaskar den Comedy-Act „Secret Asians“. Er spielte mit dem James Taylor Quartet und arbeitete mit dem Tabla-Spieler Talvin Singh zusammen, schrieb Musik für Kino und Fernsehen und remixed Songs für Sinnead O'Connor und Paul McCartney.

    Sein aktuelles Album heißt "Philtre", was so viel bedeutet wie Zaubertrank. Und mit jedem Lied, so scheint es, taucht man tiefer in eine unbekannte, verzauberte Welt ein. Der Zuhörer wird von Nitin Sawhney auf eine musikalische Weltreise geschickt, bei der der Ausgangspunkt die klassische Pop-Ballade ist. Doch schon bald mischen sich Sitar, Flöte und auch eletronische Beats darunter.

    Dabei versteht er es ausgezeichnet während der einzelnen Songs von einer Stilrichtung zur anderen zu switchen. Bei "Dead Man" beispielsweise geht Sawhney nahtlos vom amerikanischen Blues zu klassischer indischer Musik über, um dann genauso unvorhersehbar wieder zum Blues zurückzukehren. Fragmente von Gospel, Soul, Trip-Hop und R&B werden ebenso eingesetzt wie Flamenco-Gitarren und Kastagnetten, die mit funkigen Bässen kombiniert werden.

    Insgesamt leisteten fünfzehn Sänger und Sängerinnen ihre Beiträge zum Gelingen des Albums, selbst seine Mutter hat Sawhney unterstützt. Beim Song "Rag Doll" trägt sie ein hinduistisches Gedicht vor dem Hintergrund minimalistischer Trommeln und sanftem Background-Gesang vor. Neben vielen indischen Musikern wie der Bollywood-Sängerin Reena Bhardwaj ist auch die spanische Gruppe Ojos de Brujo auf der CD vertreten. Schwermütig, im Stil des klassischen Flamencos beginnt die Sängerin Marina Abad den Song "Noches en Vela". Doch bevor das Lied zu sehr in Melancholie verfällt, wird der Takt beschleunigt und die Gitarren mit schnellen Beats vermischt.

    Sawhney ist mit "Philtre" ein Album gelungen, dass so vielseitig ist, wie er selbst, dass sowohl eingängig als auch unvorhersehbar ist, auf alle Fälle aber fesselt. Und vielleicht kann es ja tatsächlich verzaubern. (ost)

    Share if you care.