"Das Klima zwischen WU und Juridicum ist nicht feindlich"

13. Juli 2007, 12:28
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Wer soll Österreichs JuristInnen in Zukunft ausbilden? Die Rechtsanwaltskammer fordert für den Anwaltsberuf weiterhin ein juristisches Vollstudium

In der Diskussion über die Neuorganisation der JuristInnenausbildung meldet sich jetzt auch die österreichische Rechtanwaltskammer(ÖRAK) zu Wort. "Der Beruf des Rechtsanwaltes darf nur auf Grund eines juristischen Vollstudiums ausgeübt werden", heißt es in einer Resolution der ÖRAK zur Juristenausbildung.

"Keine Kriegserklärung"

Gerhard Benn-Ibler, Präsident der österreichischen Rechtsanwaltskammer, betont: "Ja, das ist ein Appell an alle Beteiligten, sich ihre Vorgehensweise durch den Kopf gehen zu lassen". Konkret wendet sich Benn-Ibler damit an die WU, die mit einem wirtschaftsrechtlichen Studium ihren AbsolventInnen auch Zugang zu juristischen Kernberufen ermöglichen will. "Der Vorschlag der WU ist in meinen Augen kein juristisches Vollstudium", so Benn-Ibler weiter. Vor allem im Bereich der Grundlagen wie Strafrecht und Zivilrecht sei ihm der Studienplan "juristisch zu wenig". Die Resolution sei aber keine Kriegserklärung, sondern eine Darlegung des Standpunktes der ÖRAK.

Bakk reicht nicht

Berufsvoraussetzung für juristische Kernberufe, so die Resolution der ÖRAK, sei "eine umfassende wissenschaftliche sowohl juristische als auch wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung an einer Universität, wobei nur die Graduierung zum Mag. iuris eine ausreichende wissenschaftliche und fachliche Grundlage sicherstellt". Die Dauer des Studiums dürfe acht Semester nicht unterschreiten.

Verkürzte Studien wie das Bakkalaureat oder Studien mit anderen wissenschaftlichen Schwerpunkten seien daher "keine geeignete Grundlage zum Zugang für den Beruf eines Rechtsanwaltes". Benn-Ibler erklärt, warum die ÖRAK auf eine universelle Ausbildung poche: "Wir haben die beste Juristenausbildung Europas, und die will ich nicht aufs Spiel setzen"

"Ein Missverständnis"

Professor Stefan Griller vom Fachbereich Rechtswissenschaften der WU Wien sieht sich und die neuen wirtschaftsrechtlichen Pläne der WU missverstanden: "Es gibt da einige Missverständnisse, wir bieten sehr wohl eine umfassende juristische Grundbildung". Es gäbe eben unterschiedliche Vertiefungen, und der wirtschaftliche Schwerpunkt sei einer, an dem die Praxis immer wieder Bedarf angemeldet hätte.

Man biete eine juristische Ausbildung, ohne sich, wie Griller betont, "mit Details des Asylrechts oder von Mord und Totschlag" auseinanderzusetzen. Den Zugang zu juristischen Kernberufen wolle man erst nach dem Masterstudium, keinesfalls nach dem Bakkalaureat. Ob er hofft, die Missverständnis aus dem Weg schaffen zu können: "Ich bin zuversichtlich".

"Sehr zufrieden"

Im Wiener Juridicum kann man sich mit der Aussendung der ÖRAK anfreunden. "Wir meinen, dass die Anwälte da einen sehr vernünftigen Standpunkt haben", betont Studienprogrammleiter Peter Pieler. Auch am Juridicum wird momentan an den neuen Studienplänen gearbeitet, bis spätestens 2008 müssen sie fertig sein. "Prinzipiell sind wir mit unserem derzeitigen Studium sehr zufrieden", so Pieler. Man werde aber mehr wirtschaftliche Pflichtfächer einführen und die Strafrechtsprüfung wieder vom ersten in den zweiten Abschnitt verlegen.

"Man sollte allerdings nicht immer den Blick auf die Althanstraße richten", erklärt Pieler in Anspielung auf den Sitz der WU, "sondern einen eigenen Weg gehen". Wichtig ist dem Studienprogrammleiter, die momentane Situation nicht zu einem Konflikt werden zu lassen: "Das Klima zwischen WU und Juridicum ist nicht feindlich".

"Unrealistisch"

Daniela Urban, Vorsitzende der Fakultätsvertretung Jus, sieht durch zusätzliche wirtschaftliche Fächer die Gefahr einer zu hohen Arbeitslast: "Eine umfassende wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung zusätzlich zu einer rechtswissenschaftlichen halten wir in einem fünfjährigen Studium für unrealistisch. Klar ist aber, dass grundlegende wirtschaftliche Kompetenzen heute unbedingt notwendig geworden sind. Eine tiefer gehende Spezialisierung sollte aber auf freiwilliger Basis funktionieren."

Bezüglich der neuen Bolognaarchitektur ist Urban überzeugt, dass nur der Mag.jur Zugang zu den juristischen Kernberufen haben sollte. "Es lässt sich einfach nicht die ganze juristische Ausbildung in drei Jahre Bakk-Studium unterbringen". Sie fordert jedoch, dass im Rahmen einer Neugestaltung eines Studienplanes zu beachten sei, dass auch der Bakk.iur einen Job in einem juristischen Beruf finden können muss.

Von Anita Zielina
  • Die 19-jährige Astrid Hartmann schloss das "traditionelle" Jus-Studium ab. Wer es ihr in den nächsten Jahren gleichtun will, wird die Wahl zwischen verschiedenen juristischen Studien haben.
    foto: standard/hendrich

    Die 19-jährige Astrid Hartmann schloss das "traditionelle" Jus-Studium ab. Wer es ihr in den nächsten Jahren gleichtun will, wird die Wahl zwischen verschiedenen juristischen Studien haben.

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