Zeitgeschichtsdoku: Überleben im Kohlenkeller

2. Mai 2005, 19:31
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"Die Sterne verlöschen nicht": Begegnungen zwischen Schülern und Überlebenden des NS-Terrors

Heinrich Ehlers, geboren 1939, besucht mit Florian Sommer, geboren 1987, den Ort seiner Kindheit: Ein Keller in Wien-Fünfhaus, in dem er und seine Familie sechs Jahre untertauchten. Nur der Kohlenkeller blieb wie er war. Ehlers schaut sich um und erhascht inmitten der Finsternis einen Hauch der Vergangenheit: "Schön ist's da", sagt er.

Teilweie sehr hölzerner Schulfernsehjargon

Tausende Jugendliche beteiligten sich in den vergangenen beiden Jahren am Schulforschungsprojekt "A Letter to the Stars". Im Film "Die Sterne verlöschen nicht" erzählt Helene Maimann von vier Begegnungen zwischen Schülern und Überlebenden des NS-Terrors. Zur Ausstrahlung kommt der wichtige Film am 6. Mai um 21.20 Uhr. Und obwohl teils zu sehr in hölzernen Schulfernsehjargon verfallend, zeigt die Dokumentaristin, wie die Jungen in den unfassbaren Biografien im besten Sinn Geschichte "von unten" erfahren.

"Das war halt unsere Geschichte."

Die Schülerin Marie-Theres Fehringer begleitet die 73-jährige Angelica Bäumer nach Salzburg. Deren Vater ließ sich nicht von seiner jüdischen Frau scheiden. Als Hitler einmarschierte, täuschte sie Ohnmacht vor, um die Hand nicht zum Hitler-Gruß zu heben: "Mein Trick." 1943 warf die Gestapo sie aus der Schule. "Wo ist der Bastard Bäumer?", hieß es, und unter Beschimpfungen ihrer Schulkollegen ging sie. Bäumer überlebte in den Bergen: "Das war halt unsere Geschichte." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 28.4.2005)

  • Heinrich Ehlers und Florian Sommer
    foto: orf

    Heinrich Ehlers und Florian Sommer

  • Marie-Theres Fehringer und Angelica Bäumer
    foto: orf

    Marie-Theres Fehringer und Angelica Bäumer

  • Marie-Theres Fehringer, Helene Maimann, Angelica Bäumer, im Vordergrund Wolfgang Bäumer
    foto: orf

    Marie-Theres Fehringer, Helene Maimann, Angelica Bäumer, im Vordergrund Wolfgang Bäumer

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