Die Obsessionen des Häuslichen

25. April 2005, 20:07
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Bis 1. Mai: Höchst empfehlenswerte Bestandsaufnahme des europäischen Films in Linz - mit Werkschau Corinna Schnitt

Ab Dienstag, 26.4., bietet das fünftägige Crossing Europe Filmfestival Linz eine höchst empfehlenswerte Bestandsaufnahme europäischen Filmschaffens über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. In diesem Rahmen wird der deutschen Foto-und Filmkünstlerin Corinna Schnitt eine umfangreiche Werkschau gewidmet. Im Linzer O.K Centrum für Gegenwartskunst sind bis 8.5. mit "Prima Leben" ihre Fotoarbeiten zu sehen. Im Wiener Filmmuseum steht der 28. April mit "in person" ganz im Zeichen ihres filmischen Werks.

Die Arbeiten von Schnitt sind als minutiös inszenierte Beobachtungen dem Mikrokosmos des Alltags verschrieben. Sie interessiert sich dabei für die Auswirkungen sozialer Strukturen auf das individuelle Leben: Soziale Zwänge werden zu den bestimmenden Obsessionen ihrer Protagonisten: So werden beispielsweise im Kurzfilm "Schönen guten Tag" (1995) pedantische Reinigungsaktionen im häuslichen Umfeld mit den fordernden Stimmen aufgebrachter Vermieter vertont.

In ihrer Fotoserie "Schlangenkinder" wiederum treffen vorderhand objektiv anmutende Perspektiven einer Sozialbau-Architektur auf das individuelle Schicksal ihres Innenlebens. Mit dem jeweiligen Clash der unterschiedlichen Inhaltsebenen schafft Schnitt Irritation und auf diesem Wege visuell kraftvolle Kommentare zum Sozialgefüge der Gesellschaft. (pet/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.4.2005)

  • Die Metamorphosen sozialer Zwänge: aus Corinna Schnitts Serie "Schlangenkinder"
    foto: crossing europe/schnitt

    Die Metamorphosen sozialer Zwänge: aus Corinna Schnitts Serie "Schlangenkinder"

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