Im Tierpark Herberstein nistet sich das Land ein

27. April 2005, 13:08
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Um den Tierpark zu retten, plant Landeschefin Klasnic die Übernahme des Defizitbetriebes durch das Land

Graz - Die kluge Frau baut vor. Seit geraumer Zeit wirbt die steirische Schlossherrin Andrea Herberstein für ihre erste Kosmetikserie; "ah-Cosmetics" heißt die Produktlinie, "Anti Aging Secrets" gibt's für "anspruchsvollere Haut", "Silky Secret" für "jüngere Haut". Und alles natürlich "ohne Tierversuche", wie es im PR-Text heißt. Das käme auch ganz schlecht.

Immerhin ist Andrea Herberstein auch Besitzerin des alten Tierparks Herberstein. Dieser benötigt in jedem Falle dringend eine Verjüngungskur. Andrea Herberstein sieht sich außerstande, den Betriebsabgang in der Höhe von rund 810.000 Euro plus neuen notwendigen Investitionen künftig selbst zu tragen.

Neuer Wirtschaftszweig

Die neue Produktlinie des Hauses Herberstein als neuer Wirtschaftszweig kommt da gerade recht. Die Hilfe für den Tierpark könnte aber zu spät kommen, wenn sich nicht die Parteien im Land einigen. Ohne Landeshilfe aber, sagte am Montag Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, sei der Tierpark nicht mehr rettbar. Die von Klasnic angebotene Hilfe ist für die SPÖ aber mit "unakzeptablen, unverschämten" Zahlungen verbunden. Und damit, dass das Land den Defizitbetriebe übernehmen und dafür noch Pacht in der Höhe von jährlich 300.000 Euro zahlen müsse. Erträge seien nicht zu erwarten, ein jährlicher Bedeckungsbedarf von rund 1,5 Millionen Euro bliebe offen.

Noch sei überdies nicht exakt heraußen, wie viel in den letzten Jahren tatsächlich bereits an Landessubventionen in den gräflichen Tierpark geflossen seien, sagte SPÖ-Chef und Landeshauptmannvize, Franz Voves. Gut acht Millionen Euro seien anzunehmen. Näheres werde der Bericht des Rechnungshofes zeigen, auf den noch zu warten sei, ehe sich das Land engagiere, pflichtet auch FP-Landeshauptmannvize Leopold Schöggl bei.

SPÖ: "Rettung ja - aber nicht so"

Auch die SPÖ sei für die Rettung des Parkes, sagt Voves, aber nicht unter diesen Konditionen. Der Pachtzins müsse herunter. Voves: " Das Land wird nicht zweimal zahlen. Zuerst über die jahrelangen Subventionen und jetzt noch einmal über den Pachtzins."

Tourismuslandesrat Hermann Schützenhöfer geriet am Montag einigermaßen in Rage: "Da wird seit zweieinhalb Jahren herumgenudelt; wir sind nicht bereit, die Sache auf dem Rücken der Frau Landeshauptmann auszutragen." Immerhin ist bald Landtagswahl. Schützenhöfer: "Ob einem die gräfliche Welt passt oder nicht - sind das Aussätzige?" Es müsse geholfen werden.

Klasnic: "Tierpark muss erhalten bleiben"

Für Waltraud Klasnic ist die Sache klar. Der Tierpark müsse mit seinen 130 Tierarten als Leitprojekt der Region erhalten bleiben. Die Joanneum GmbH werde die Leitung des Tierparks übernehmen. Das Land übernimmt Investitionen und Betriebskosten des Tierparks, das Schloss, der Herberstein-Park und das Gironcoli-Museum bleiben davon unberührt. Überdies werde in Herberstein ein "Haus der Natur" vom Joanneum errichtet. Dieses Konzept liege nun vor, entweder werde es von den anderen Parteien angenommen, "oder es gibt keinen Tierpark mehr".

Entscheiden müsse letztlich der Landtag. Aber soweit ist die Rettungsaktion noch lange nicht. Denn neben der SPÖ legte sich auch die FPÖ in der Regierung quer: Es sei nicht Aufgabe eines Landes, einen Tierpark zu führen. (mue, DER STANDARD – Printausgabe, 26.04.2005))

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