Deutsche erobern österreichischen Arbeitsmarkt

2. Mai 2005, 12:18
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Auf der Flucht vor Arbeitslosigkeit und Hartz IV fanden mehr als 45.000 Deutsche im März in Österreich einen Job - Mit Infografik

Wien - An das Sächsische in Österreichs Gaststuben und Skihütten haben sich viele Österreich-Urlauber bereits gewöhnt. Nach dem Motto "Arbeiten, wo andere Urlaub machen" kommen immer mehr Deutsche vor allem aus den neuen deutschen Bundesländern nach Österreich, um zu arbeiten. "Vom Plattenbau ins Paradies" titelte erst kürzlich das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" einen Bericht über die "Flucht der Ostdeutschen vor Arbeitslosigkeit und Hartz IV".

Gewerbeverein kritisiert AMS

In Österreich werden die deutschen Gastarbeiter für ihre Flexibilität bewundert, aber auch argwöhnisch beäugt, heißt es im "Spiegel". Der Druck der Deutschen auf den heimischen Arbeitsmarkt sei deutlich stärker als aus den übrigen EU-Mitgliedstaaten und aus Drittländern, betonte erst kürzlich Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein. Der österreichische Gewerbeverein (ÖGV) kritisiert vor allem das Arbeitsmarktservice (AMS), das beim "Ossi-Import eine höchst aktive Rolle spielt". Statt die im Jahresschnitt 30.000 österreichischen Tourismus-Arbeitslosen zu vermitteln, arbeitet das AMS bei der Vermittlung mit den deutschen Agenturen zusammen, kritisiert der ÖGV. Laut AMS wurden in den vergangenen Tourismussaisonen, um die Spitzenzeiten im heimischen Fremdenverkehr abzudecken, jeweils 2.300 bis 2.500 Ostdeutsche für Fremdenverkehrsjobs vermittelt.

Von einer Invasion deutscher Gastarbeiter in heimischen Beherbergungsbetrieben will Tourismus-Gewerkschafter Rudolf Kaske allerdings nicht sprechen. Man müsse die Kirche im Dorf lassen. Von den insgesamt 159.020 Tourismusbeschäftigten im Jahresschnitt 2004 waren nur rund 3,6 Prozent Deutsche. Allerdings, so Kaske, trage steigende Ausländerbeschäftigung verstärkt zu Lohndumping bei.

45.605 Deutsche im März

Die Zahl der deutschen Beschäftigten in Österreich hat sich von 1995 bis 2004 im Jahresschnitt von 13.438 auf 38.593 fast verdreifacht. Im März 2005 waren in Österreich 45.605 Deutsche beschäftigt, geht aus der aktuellen Statistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hervor. Damit arbeiteten im März fast gleich viel Deutsche wie Türken in Österreich, allerdings mit dem Unterschied, dass die Zahl der Türken im Vergleichszeitraum von 54.733 auf zuletzt 52.312 leicht zurückging. Nach Branchen war die Mehrzahl der Deutschen, nämlich fast 9.000 im März, im Beherbergungs- und Gaststättenwesen tätig. Rund 2.250 Deutsche arbeiteten am Bau.

Insgesamt waren in Österreich im März 2005 365.670 Ausländer beschäftigt, das sind 11,5 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. Der Anteil der Deutschen an der Gesamtbeschäftigung beträgt 1,4 Prozent, an der Ausländerbeschäftigung in Österreich beträgt er 12,5 Prozent.

Die meisten Gastarbeiter kommen aus (Ex-)Jugoslawien

Die deutschen Gastarbeiter sind in der Statistik der Auslandsbeschäftigung bereits an dritter Stelle. Die meisten ausländischen Arbeiter kommen mit 154.214 im März aus dem ehemaligen Jugoslawien, gefolgt von den Türken mit 52.314 Beschäftigten und 45.605 Personen aus Deutschland. Aus Tschechien und der Slowakei arbeiteten im März 13.257 Personen in Österreich, aus Ungarn 14.370 Personen und aus Polen 11.628. (APA)

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