Eine gefährliche Kultstätte

    1. April 2000, 13:39
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    Zu der kleinen Quelle unterhalb des Gipfels des Kolomansberg nördlich von Thalgau pilgerten offenbar schon vor vielen Jahrhunderten die Leute, um Heilung von ihren Leiden zu finden.

    Im ausgehenden Mittelalter verdonnerte ein Abt des Klosters Mondsee den Born - der heute in einer scheußlichen Betonwanne gefasst ist - als eine den wahren Glauben gefährdende, heidnische Kultstätte und verbot seinen Patres, den Ort auch nur zu erwähnen. Genützt hat es wenig. Erst als man das - wahrscheinlich keltische - Heiligtum christianisierte und den Heiligen Koloman als Patron installierte, gab es keine Probleme mit der Kirche mehr.

    In der kleinen Kirche nahe der Quelle - angeblich die älteste Holzkirche Österreichs - zeigt man viele Krücken, von Leuten hinterlassen, die ihre bresthaften Glieder mit dem Wasser wuschen, den Heiligen als Fürsprecher anriefen und dadurch geheilt wurden. Koloman stand mit Sicherheit niemals auf dem nach ihm benannten Berg, denn der irische Mönch, der auf einer Pilgerreise aus dem Osten in unsere Breiten kam, wurde - da er sich nicht verständigen konnte - im Jahre 1012 in Stockerau als vermeintlicher Spion gehenkt. Da sein Leichnam nicht verweste, erkannte man den Irrtum und bestattete ihn zwei Jahre später im Kloster Melk. Eine Zeit lang war er sogar der Landespatron von Niederösterreich, ehe ihn der Heilige Leopold "verdrängte".

    Die "Schergentanne"

    Beim Auf- und Abstieg der Runde hat man eine schöne Fernsicht, die zu den Salzkammergutbergen, zum Untersberg und Hohen Göll und zu etlichen Gipfeln des Berchtesgadener Landes reicht. Der Gipfel des Kolomansberges darf nicht betreten werden, er ist wegen einer Radarstation militärisches Sperrgebiet. Der Flurname Schernthan leitet sich nach Ansicht der Heimatforscher von der Bezeichnung "Schergentanne" her und weist auf einen Richtplatz hin, auf dem man Dieben, Hexen und Zauberern den Garaus machte. Das dürfte einst die wirklich gefährliche Stätte gewesen sein. Von der Ortschaft Thalgau erreicht man durch die Ischlerbahnstraße den Wanderweg 4 und steigt über den Reitbauer nach Wasenmoos und zum Mooswirt auf. Die Gehzeit beträgt rund 1½ Stunden. Nun wählt man den Wanderweg 6, der über Rauchenschwandt zur Kolomanskirche führt. Gehzeit ab Mooswirt ½ Stunde. Die Quelle mit dem heilsamen Wasser befindet sich am markierten Weg nördlich unterhalb der Kirche. Für den Rückweg wählt man am besten zuerst den Wanderweg 8 bis zum Schernthan, dann geht es auf der Wanderroute 3 über Burschach, Scheierl und Reisinger bis nach Thalgau zurück. Für den Weg ab der Kolomanskirche sind etwa 2 Stunden einzuberechnen.

    Gesamtgehzeit 4 Stunden, Höhendifferenz 600 m. Der Mooswirt als einziger Stützpunkt der Runde (nicht immer offen). Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 64 (Strasswalchen).

    Von Bernd Orfer
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