Albträume: Schädlicher Tabak und eklige Spinnen

28. April 2005, 12:39
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Über die Schädlichkeit des Tabaks kann gar nicht genug geschrieben werden. Seit es Tabak gibt, hat man festgestellt, dass er so was von schädlich ist. Wo ein Tabak-Kollegium entstand, da wurde nebenan gleich ein Kollegium für die Schädlichkeit des Tabaks gegründet. Zurecht! Wie oft in den vergangenen Monaten haben wir über die Schädlichkeit des Tabaks gesprochen! B. erzählte neulich, dass er sich sechs Wochen den schädlichen Tabak verkniffen hatte. Unschädlich begann sein Tag, unschädlich legte er sich abends zu Bette, mit ruhigem Gewissen, weil er den ganzen Tag über nichts Schädliches getrieben hätte. Dafür, meinte er, wären die Nächte voll der grauenhaftesten Albträume gewesen: Er wäre in die Trafik gegangen, und der Trafikant wäre eine gigantische, weiße Zigarette gewesen. Solche schädlichen Träume kann man nicht lange hinnehmen, eines Tages musste er sich überzeugen, ob der Trafikant tatsächlich eine weiße Zigarette geworden war, suchte eine Trafik auf, und aus Dankbarkeit, weil dem nicht so war, hat er ihm gleich was abkaufen müssen.

Warum der Tabak so schädlich ist, wissen wir natürlich auch. Er verführt die Jugend. E. meint, er würde die Jugend vom Sex abhalten, und das ist natürlich ganz schädlich. Weil wenn man einmal gelernt hat, sich in eine Rauchwolke zu hüllen, um seine wahren Absichten zu verschleiern, dann gewöhnt man sich das schlecht ab. E. hat daraufhin die Luftzigarette entwickelt, die nicht stinkt und nichts verschleiert. Aber so ganz trauen kann man ihr auch nicht.

Überhaupt kann man niemandem trauen, schrieb A. aus Berlin, es gibt jetzt Leute, die aus dem Beatles-Plattencover "Abbey Road" die Zigarette herausretouchieren. (thememoryhole.org/arts/abbey-road.htm) Das ZK der UdSSR hat ja auch Trotzki aus den Fotos herausretouchieren lassen, ich glaub, weil er geraucht hat. Aus Frankreich erreichte uns die Nachricht, dass Jean Paul Sartre jetzt ohne Pfeife abgebildet wird. Dieser Existenzialismus war ja eine ganz sinistre Philosophie, die konnte man sich nur im schwarzen Rollkragenpullover und unter dem schädlichen Einfluss des Tabaks ausdenken. Wenn man die Pfeife aus dem Existenzialismus herausretouchiert, dann bleibt vom Existenzialismus nur noch "always look on the bright side of life. . ." übrig.

R. hat sich gegen die Tabak-Sucht hypnotisieren lassen und ist sehr zufrieden. Ich hab mich daraufhin auch hypnotisieren lassen. Die Therapeutin fragte, was das Schlimmste sei, was ich mir vorstellen kann, und ich habe gesagt Spinnen. Die Therapeutin hat nun in meinem Unterbewusstsein schädlichen Tabak mit ekligen Spinnen verknüpft. Was soll ich sagen? Der Erfolg war verblüffend. Ich bin von meiner Spinnenphobie geheilt.

Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin (Der Standard/rondo/22/04/2005)

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