Religions-Unterricht laut Umfrage eher unwichtig

8. Juli 2005, 10:26
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Nur 17 Prozent halten Religion für "sehr wichtig", die Hälfte der Befragten für "unwichtig" oder "überflüssig" - Spitzenreiter sind Deutsch und Mathematik

Den Österreichern scheint der Religionsunterricht nicht so wichtig zu sein, wie es in der politischen Debatte um eine mögliche Abschaffung der Zwei-Drittel-Mehrheit für Schulgesetze derzeit den Anschein hat.

Was soll die Schule vermitteln?

Während alle Parteien betonen, den Religionsunterricht nicht in Frage stellen zu wollen und die Kirche sowie die SPÖ auf eine verfassungsrechtliche Absicherung des Gegenstands drängen, betrachten nur 17 Prozent der Österreicher Religion als "sehr wichtiges" Fach. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft im Auftrag des Instituts für Trendanalysen und Krisenforschung (ITK) zum Thema "Wissen und Soft Skills: Was sollte Kindern und Jugendlichen vermittelt werden?" hervor, die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.

Tote Sprachen und Religion unwichtig

In der Umfrage (österreichweite Befragung von 1.177 Personen im Jänner 2005) schneiden bei der Frage "Was sollten Kinder und Jugendliche in der Schule heutzutage lernen?" nur "Tote Fremdsprachen" wie Latein noch schlechter als Religion ab, die nur von neun Prozent der Befragten für "sehr wichtig" erachtet werden. Dagegen halten 89 Prozent der Befragten den Gegenstand "Deutsch" für "sehr wichtig". An zweiter Stelle liegt "Mathematik" (81 Prozent), gefolgt von "Lebende Fremdsprache" (74 Prozent). Ähnlich sieht es aus, wenn man auch jene Antworten berücksichtigt, die die einzelnen Fächer nur für "wichtig" halten. Interessant: Die Hälfte der Befragten hält Religion sogar für "eher unwichtig" oder "überflüssig".

Disziplin wird nicht verlangt

Bei den "Soft Skills", die Schule den Schülern vermitteln soll, führen die Prioritätenliste "Verantwortung übernehmen" (69 Prozent halten das für "sehr wichtig") sowie "Selbstwertgefühl" und "Pflichtbewusstsein" mit jeweils 62 Prozent an. Den geringsten Stellenwert messen die Österreicher dabei den Punkten "Disziplin" (52 Prozent "sehr wichtig") und "Gehorsam" (29 Prozent "sehr wichtig") zu.

Arbeitsplätze dringend gesucht

Den größten Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen haben nach Ansicht der Befragten der Freundeskreis (47 Prozent sagen "sehr großer" Einfluss) gefolgt von den Eltern (46 Prozent), Klassenkameraden (42 Prozent) und dem Fernsehen (40 Prozent). Den geringsten Einfluss haben demnach die Lehrer (16 Prozent). Befragt, was die Österreicher im Rahmen der Jugendpolitik am wichtigsten halten, stimmten die meisten für "Arbeitsplätze für die Jugend" (87 Prozent), gefolgt von "Lehrstellen für die Jugend" und der "Verbesserung der Ausbildung in den Schulen".

In der Umfrage wurde auch die Einstellung der Österreicher zu einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen abgefragt: Für die Gesamtschule sprechen sich 49 Prozent der Befragten aus, 36 Prozent lehnen dies ab. (APA)

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    Reihung der Unterrichtsfächer nach empfundener Wichtigkeit

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