Junger Meißelmeister mit guter Oma

27. April 2005, 21:17
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Profane Gestalten von Markus Redl in skralen Stein gehauen - Neue Galerie Graz

"Nächstes Jahr ist auch noch ein Tag", stellt die Großmutter des Wiener Künstlers Markus Redl oft und gerne fest. Und weil seine Oma da wohl Recht hat, hat Redl sie selbst samt ihrer klugen Sentenz in Stein gehauen - in weißen Marmor. Denn "der harte Stein bietet extreme Widerstände und zwingt mich dazu, konsequent zu sein". Als ehemaliger Student Erwin Wurms habe der junge Bildhauer nämlich genug von der "Dematerialisierung der Skulptur": "Sie war notwendig, aber kein Endergebnis."

Bei seinen Arbeiten, die er in Graz zeigt, spielt Redl mit dem Widerspruch des sakralen Steins und profanen Persönlichkeiten. Persönlichkeiten, die man überall finden kann, ohne nach ihnen gesucht zu haben: ein Arbeiter im Overall, eine Frau mit einem fehlenden Finger und einem vom Knie abwärts amputierten Bein - sie alle seien in Marmor "traditionell nicht darstellungswürdig gewesen". Ein Umstand, mit dem Redl und sein Meißel aufräumten. Das Konterkarieren von Kunst, die sich selbst zu ernst nimmt, setzt sich in den Titeln fort: Literaturverweise locken auf Pfade von "staubtrockener Kunsttheorie" (Redl). Eingefärbt wird der Stein mit Schuhpasta. "Damit man sie pflegen muss wie Zimmerpflanzen." (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 20.04.2005)

Neue Galerie
8010 Graz
Sackstraße 16
0316/82 91 55
Bis 16. 5
  • Artikelbild
    foto: neue galerie graz
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