"Asterix" gegen die Globalisierer

2. Mai 2005, 12:14
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Der französische Bauernführer José Bové tourt durch Österreich, in Salzburg bekam er gleich einmal Hausverbot in einer Landwirtschaftsschule

Wien/Salzburg – In der Wortwahl ist José Bové, französischer Bauernführer mit dem Asterix-Bart als Markenzeichen, nicht gerade zimperlich: Er spricht von einem "Genozid an den europäischen Bauern", für das die europäische Agrarpolitik verantwortlich sei, allen voran der ehemalige Landwirtschaftskommissar, der Tiroler Franz Fischler. Dafür gehör er "vor den Menschenrechts-Gerichtshof", sagte er am Dienstag in Wien. Der streitbare Gallier – siehe "Wissen" – ist auf Einladung des kleinbäuerlich und globalisierungskritisch orientierten Agrarbündnisses Österreich im Lande. Fischler sei wegen der von ihm initiierten Reform der Agrarförderungen "der Zerstörer der europäischen Landwirtschaft", weil er der Landwirtschaft "die Strukturen des Welthandels aufgezwungen hat. Jährlich gehen 200.000 bäuerliche Betriebe in Europa zugrunde." (Siehe auch Artikel "Bové: EU-Agrarpolitik "schlichtweg eine Katastrophe".)

Auftrittsverbot

Die Wortwahl brachte ihm gleich einmal Auftrittsverbot in einer landwirtschaftlichen Schule in Salzburg ein, wo er am Donnerstag hätte sprechen sollen. Das Landwirtschaftsministerium ließ ausrichten, jemand, "der sich einer solchen Wortwahl bedient, hat in einer pädagogischen Einrichtung, für die wir die Verantwortung haben, nichts verloren", so der Sprecher von Ressortchef Josef Pröll. Bové hat aber angekündigt, trotzdem nach Salzburg zu fahren, und die Schüler außerhalb der Schule zu treffen. Am Mittwoch wird er zunächst mit den Milchbauern vor der Molkerei in Baden mitmarschieren.

"Die Bauern wollen von ihrer Arbeit leben, nicht von einer Finanzlogik, die man sich auf EU-Ebene ausgedacht hat", postuliert Bové. "Je mehr die landwirtschaftliche Produktion industrialisiert wird, desto mehr entfernt sie sich von dem, was die Konsumenten wollen", warnte der Mitbegründer der linken Bauernverbandes Confédération Paysanne und Europa-Sprecher des internationalen Kleinbauernnetzwerkes Via Campesina. "Die industrielle Produktion ersetzt die natürliche Vielfalt und zerstört die Umwelt."

Bové propagiert das System der "Ernährungssouveränität": "Das Ziel sollte sein, dass die Leute von dort aus ernährt werden, wo sie leben." Der internationale Freihandel mit bäuerlichen Produkten sollte beschränkt werden, die lokalen Märkte sollten sich so entwicklen können.

Molkerei gestürmt und Joghurt verteilt

Unlängst stürmten Bové und die Seinen eine französische Molkerei, bemächtigten sich der Joghurts und Käsestücke, "die uns gehören, da die Milch ja nicht ausreichend bezahlt worden ist" und verteilten sie an Mittellose – vor laufenden Kameras. "Das mag zwar nicht legal sein, aber legitim", sagt Bové, "hier stehen private Interessen vor sozialen." Er hoffe weiters, dass sich die Konsumenten den Bauernprotesten anschließen würden, "denn alleine sind wir zu wenig." Dann würde der zähe Kampf des Galliers gegen die Zentralmacht "Erfolg haben können". (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2005)

José Bové: McDonald's Albtraum
Über José Bové wird oft gesagt, er sei "ein kleiner Schafzüchter", der gegen den agroindus­triellen Komplex ankämpft. So ganz stimmt das nicht, er stammt durchaus aus intellektuellen Verhältnissen, seine Eltern sind Universitäts­lehrer für Agroökonomie und Biochemie. Der heute 52-Jährige flog aber schon jung wegen rebellischen Verhaltens aus der Schule. Zur Ikone der Globalisierungsgegner wurde er 1999, als er ein McDonald's-Restaurant in Südfrankreich zerstörte - als Protest gegen US-Strafzölle unter anderem auf Roquefort-Käse, den Bové selbst herstellte. Danach folgten Aktionen wie Einbrüche in Genlabors. Dafür wurde er vorbestraft. Trotzdem sagte Ex-US-Außenminister Henry Kissinger über ihn, er sei "der einzige Franzose, der in den vergangenen Jahren wirklich etwas bewegt" habe. Mit der Organisation Confédération Paysanne vertritt Bové laut eigenen Angaben 30 Prozent der französischen Bauern. (szem)
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    José Bové, französischer Schafzüchter und Globalisierungskritiker, ist auf Einladung des Agrarbündnis Österreich in der Alpenrepublik.

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