Trammer: "Das BZÖ ist die letzte Chance"

23. April 2005, 08:46
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BZÖ-Vizechefin erwartet im STANDARD-Interview für die nächsten Nationalrats­wahlen ein Ergebnis von "fünf Prozent plus plus"

BZÖ-Vizechefin Heike Trammer will für Familien, eine Steuerreform und gegen Globalisierung kämpfen. Zwischenrufe von Jörg Haider fürchtet sie nicht, denn das BZÖ sei Haiders Baby.

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Standard: In Linz herrscht Chaos. Warum wurde die Spaltung so schlecht vorbereitet?

Trammer: Schnell zu handeln war die einzige Möglichkeit. Sonst wäre die Regierungsarbeit nicht zu retten gewesen. Ich schließe eine gezielte Schlammschlacht nicht aus. Die Alt-FPÖ will das BZÖ nicht in Ruhe arbeiten lassen.

Standard: Sie waren seit 1986 Blau. Warum der Bruch?

Trammer: Hätte es dieses BZÖ nicht gegeben und würde nicht Ursula Haubner an der Spitze stehen oder Jörg Haider - dann wäre ich aus der FPÖ ausgetreten. Ich konnte mich mit der Art der Politik nicht identifizieren: Ständig Oppositionspolitik gegen die eigenen Regierungsmitglieder machen und immer nur die Löcher im Käse sehen.

Standard: Der schärfste Kritiker war Jörg Haider.

Trammer: Er hat sich zu Wort gemeldet, wenn noch etwas zu reparieren war. Das finde ich legitim. Das BZÖ ist sein Kind, sein politisches Baby, das wird er auch großziehen. Das BZÖ ist die letzte Chance - aber eine große.

Standard: Warum soll die Regierungsbeteiligung, die Blau schadete, Orange gut tun?

Trammer: Die Regierungsbeteiligung war ja nicht der Hemmschuh. Der Hemmschuh waren die eigenen Reihen, die permanent nur das Schlechte dargestellt haben.

Der inhaltliche Unterschied zur FPÖ ist der, dass wir ideologiefrei sind und jetzt einmal die Wirtschaft stärken. Außerdem haben wir einen starken frauenpolitischen Ansatz, Karin Miklautsch und ich sind eine frauenpolitische Ansage. Ich werde mich um Alleinerziehende kümmern. Wir wollen die Familie und Klein- und Mittelbetriebe stärken.

Standard: Was heißt das - noch eine Steuerreform?

Trammer: Wenn es möglich ist, ja, zur Entlastung des Mittelstandes und der Klein- und Mittelbetriebe. Ob wir noch eine große Steuerreform schaffen, werden wir sehen. Auf jeden Fall wollen wir der Globalisierung entgegentreten.

Standard: Was sind konkrete Maßnahmen für den Kampf gegen Globalisierung?

Trammer: Konkrete wäre, Firmen, die familienfreundliche Maßnahmen setzen, entweder steuerlich oder mit anderen Benefits zu unterstützen. Man muss Anreize für Familienfreundlichkeit schaffen, Firmen entweder günstigeren Boden geben oder bei Zahlungen entgegenkommen.

Standard: EU-Recht ist streng, welche Zahlungen meinen Sie?

Trammer: Das kann ich jetzt noch nicht konkret sagen, weil wir an einem volkswirtschaftlichen Konzept arbeiten. Auf jeden Fall ist Familienfreundlichkeit in Betrieben Kampf gegen Globalisierung. Natürlich müssen auch Lohnnebenkosten gesenkt werden, außerdem sind wir in Richtung Flat Tax unterwegs.

Standard: Bei der LiF-Abspaltung hat Haider gewütet. Warum gibt es bei der BZÖ-Abspaltung keine Neuwahlen?

Trammer: Das LiF hat damals ja einen kompletten Etikettenschwindel betrieben. Die sind weg von der FPÖ und haben eine total andere Politik gefahren. Wir hingegen haben uns von den Streithanseln getrennt, damit wir unsere Regierungsarbeit in Ruhe durchführen können. Wir haben ja unser Programm nicht geändert, daher gab es keinen Grund für Neuwahlen. Gewählt wird im Herbst 2006.

Standard: Wie viel Prozent erreicht dann das BZÖ?

Trammer: Zumindest so viel, dass wir ins Parlament einziehen. Fünf Prozent plus plus. Der Start ist viel versprechend. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.4.2005)

Das Gespräch führte Eva Linsinger
  • Zur Person
Die Krankenschwester Heike Trammer (44) kam über Engagement für einen Pflegedienst
zur FPÖ. Ab 1994 saß die gebürtige Deutsche im Bezirksrat, ab 2001 im Wiener Landtag.
Seit Sonntag ist sie mit Karin Miklautsch BZÖ-Vizechefin.
    foto: standard/cremer

    Zur Person
    Die Krankenschwester Heike Trammer (44) kam über Engagement für einen Pflegedienst zur FPÖ. Ab 1994 saß die gebürtige Deutsche im Bezirksrat, ab 2001 im Wiener Landtag. Seit Sonntag ist sie mit Karin Miklautsch BZÖ-Vizechefin.

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