Not und Tugend bei Puls TV

17. Mai 2005, 20:46
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Die "Pulsis" sendeten am Samstag über 90 Minuten ohne Fettnäpfe, Halblustigkeiten oder Demütigungen der deutschen Sprache

Der Wiener Stadtsender Puls TV genießt bei manchen Sehern Kultstatus. Aufgrund von Moderatoren, gegen die Präsentatoren fast echter Goldketterln, Schweißfuß hemmender Schuheinlagen oder saisonal immer wieder auftauchender Gartenkrallen am Teleshoppingkanal geradezu Oscar-verdächtig wirken.

Nun scheinen die "Pulsis" aus der Not eine Tugend machen zu wollen und zeigten am Samstag zur Primetime einen Konzertfilm. Also über 90 Sendeminuten ohne Fettnäpfe, Halblustigkeiten oder Demütigungen der deutschen Sprache. Gezeigt wurde - und diese Auswahl gilt es ebenfalls gutzuheißen - das eben auf DVD erschienene Konzert "Ben Harper & The Five Blind Boys Of Alabama Live At The Apollo".

Der Soul- und Funkstar Ben Harper wird dabei von der ältesten Vokalgruppe der Welt begleitet, die erst vor einem Monat um das im 75. Lebensjahr verstorbene Goldkehlchen George Scott ärmer geworden ist. Die Präsenz, die unendliche Würde und die unglaublichen Stimmen dieser auf der Bühne in Anzug und coolen "Shades" sitzenden Gospelsänger ist so infizierend, dass sogar der von Eitelkeit nicht sehr freie Ben Harper angenehm uneitel und zurückhaltend agiert.

Wenn Puls TV diese Reihe auf ähnlichem Niveau etabliert, könnte es den Negativkult möglicherweise umpolen. (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2005)

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    foto: derstandard.at/moser
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