Bahn will Wendezug statt Diesel-ICE

2. Mai 2005, 11:47
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Die ÖBB will ihre Züge für den Fernverkehr modernisieren - Der favorisierte Diesel-ICE ist wegen extrem hoher Wartungs- und Instandhaltungskosten am Abstellgleis

Wien - Richtungswechsel bei der Anschaffung neuer Fernreisezüge auf Österreichs Schienennetz: Dem Aufsichtsrat der ÖBB-Personenverkehr AG werden am 26. April nicht die präferierten Dieseltriebzüge ICE-TD von Siemens zum Ankauf vorgeschlagen, sondern so genannte Wendezüge, denen eine Taurus-Lokomotive vorgespannt wird. Das erfuhr DER STANDARD am Mittwoch aus hohen Bahnkreisen.

Diese Variante, der bisher kaum realistische Chancen eingeräumt worden waren, habe insofern Charme, als diese besonders flexibel und auch noch kostengünstig sei. Denn mit dem Einsatz der von Siemens und ÖBB gemeinsam gebauten Dreisystem-Elektroloks der Type Taurus, verfüge die ÖBB ab 2006 ohnehin über Zugmaterial, das in Tschechien (50 Hertz), Slowenien (Gleichstrom) und Österreich (16,7 Hertz) gleichermaßen einsetzbar sei.

Das wiederum mache den Einsatz von Dieseltriebzügen, mit denen man sich das Zeit raubende und teure Umspannen der Elektroloks beim Grenzübertritt ersparen wollte, überflüssig, so die Argumentation der ÖBB-Chefs.

Wagenmaterial noch offen

Offen ist indes, welches Wagenmaterial hinter die neuen Taurus-Loks gespannt wird. Das Rennen bei der internationalen Ausschreibung ist für Siemens, Bombardier und die spanische Talgo offen.

Die 23 ICE-TD-Züge, die bei der Deutschen Bahn wegen technischer Mängel ausrangiert und vom Siemens-Konsortium neu aufgesetzt wurden, könnten wieder ins Spiel kommen. Allerdings ohne Motor, also als Komfortzug, in dessen Steuerwagen ein neues Drehgestell implantiert wird.

Aus der Bahn geworfen habe den von ÖBB-Personenverkehr-Vorstand Stefan Wehinger zunächst favorisierten ICE-TD ("Das ist wirklich ein Luxus-Zug, der alle Stückerl spielt") hohe Wartungs- und Instandhaltungskosten, heißt es in der Bahn. Diese hätten den niedrigen Kaufpreis von 230 Millionen Euro aufwärts nämlich konterkariert.

Keine Zeitverschiebung

Eine Zeitverschiebung nach hinten fürchtet man aufgrund der neuen Systementscheidung nicht, die neue Gerätschaft soll unverändert spätestens 2010 auf Schiene sein. Die aufwändigen Genehmigungsverfahren bei der Bundeseisenbahnbehörde im Infrastrukturministerium blieben zwar die gleichen.

Der Vorteil liege aber im Entfall teurer Engineering-Leistungen zwecks Adaptierung der neuen Triebfahrzeuge an heimische Bahntechnik. Außerdem hätte die ÖBB bei der Ausgestaltung der neuen Waggons freie Hand, was wiederum die Aufstockung der Zahl der Sitzplätze ermögliche. (Günther Strobl / Luise Ungerboeck. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.04.2005)

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    Dürften von Bayreuth nicht den Weg nach Österreich finden: ICE-Züge, die bis vor Kurzem als Favoriten für die ÖBB-Investition in neues Material galten.

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