Postwurf IV

10. April 2005, 20:26
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Es war heute. Da hat T. geschrieben. Wegen der Geschichten über K. und seinen Briefträger. Das sei, ...

Es war heute. Da hat T. geschrieben. Wegen der Geschichten über K. und seinen Briefträger. Das sei, meint T., nämlich noch gar nichts.

K. hat nämlich ­ siehe Stadtgeschichte vom 7. April ­ darüber berichtet, dass sein Briefträger anscheinend wild entschlossen ist, ihn zum Übersiedeln zu bewegen: Zum einen beliefert er K.s Postschlitz beharrlich mit Post für jemanden der eigentlich (noch? fragte K. in einem seiner Mails) an einer anderen Adresse zu Hause ist. Und als K. die Nachricht nicht verstehen wollte, beschloss der Briefträger, dass K. nun eben verzogen sei ­ und begann, an ihn adressierte Post mit dem Vermerk "verzogen" zurück zu schicken.

Als K. sich deswegen beim Postamt beschweren wollte, wurde er nicht wirklich ernst genommen ­ und weil er sich nicht mehr wirklich zu helfen weiß, sagt K., dass er nun beginnen werde, sich Wohnungsanzeigen zu Gemüte zu führen. Allerdings hoffe er auf ein zeichen des Postzustellers: Der solle ihm doch – bitte – verraten, ob er nicht eventuell sogar schon eine Adresse wisse, an der K. in Zukunft wohnen soll.

Spompernadeln

Soweit zu K. Er habe, schreibt nun T., vollstes Mitgefühl für den armen und verwirrten K. Schließlich kenne er derlei postalische Spompernadeln. Und zwar aus eigener Erfahrung. Aber im Gegensatz zu K.s Steuerberaterin (die war nur erstaunt, als sie erfuhr, dass ihr Mandant angeblich verzogen sei), habe er, als er den zurückgeschickten Brief an eine Bekannte in Händen gehalten habe, kurz um Fassung ringen müssen.

Denn das Kuvert trug den Briefträger-Vermerk "verstorben" als es wieder bei T. landete. Und das, obwohl die eigentliche Adressatin des Schreibens weder verreist, noch vermisst oder verschollen war – sie erfreute und erfreut sich, schreibt T. allerbester Gesundheit. Und zwar an der Wohnadresse, die er auf das Kuvert geschrieben hatte.

Aber vielleicht, mutmaßt der von der Post zum Trauern angehalten T., habe der Briefträger mit seiner Maßnahme ja nur im Grunde ehrbare pädagogische Ziele verfolgt: Die Hausnummer, gibt T. selbstkritisch zu, sei tatsächlich nicht in seiner allerschönsten Schönschrift auf das Kuvert gemalt, sondern ein bisserl verschmiert, gewesen. Und dass ein Postler da zu Gegenmaßnahmen greift, müsse man eben akzeptieren.

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