"Das Hollywood Europas"

25. Mai 2005, 16:34
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Der Zwergstaat wird nach dem Tod von Fürst Rainier unter den Ruf als steuer­schonene Metropole für die Reichen nicht verlieren

Wer in Monaco einen Einheimischen nach dem Weg fragt, hat gute Chancen, von einem echten Millionär Auskunft zu bekommen. Denn in keinem anderen Staat der Welt ist die Dichte der Reichen und Superreichen so hoch wie in dem nur 1,95 Quadratkilometer großen Fürstentum an der Mittelmeerküste. 20.000 seiner rund 32.000 Einwohner gelten als Millionäre. Die keine Angst vor staatlicher Umverteilung haben müssen, denn Einkommenssteuer gibt es seit 1869 nicht mehr.

Was der Hauptgrund des steten Zuzugs der Reichen und Schönen dieser Welt ist und gleichzeitig den Argwohn von Steuerfahndern und Kriminalisten anderer Staaten auslöst. Boris Becker beispielsweise könnte heute um 3,6 Millionen Euro reicher sein, wenn er nur öfter in Monaco gewesen wäre.

Von 1991 bis 1993 war der deutsche Tennisstar offiziell Einwohner des Fürstentums, tatsächlich hat er aber in München gelebt. Eine Konstruktion, die ihn schließlich im Jahr 2002 wegen Steuerhinterziehung vor Gericht brachte. Das Urteil: zwei Jahre Haft auf Bewährung und insgesamt 500.000 Euro Geldbuße. Dazu kamen 3,1 Millionen Euro Steuernachzahlung.

Andere Sportstars haben es besser gemacht. Wie Beckers Sportkollege Thomas Muster, der 14 Jahre lang in Monaco lebte. "Monte Carlo ist ja so etwas wie ein Traum. Das ist das Hollywood Europas und da hat sich über die Jahrzehnte ein ganz eigenes Lebensgefühl entwickelt", beschreibt er seine Erfahrungen. "Das gibt es anderswo nicht. Was Monaco ausmacht, ist vor allem dieses mediterrane, offene und elegante Lebensgefühl. Später war der Aspekt des Steuerparadieses natürlich kein Nachteil – nur war das nicht ausschlaggebend für mich als ich hingezogen bin."

Auf der schwarzen Liste der internationalen Steuerfahnder steht Monaco dennoch. In jüngster Zeit wurde zwar immer wieder beteuert, dass man Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche einführen wolle – vor allem Frankreich, das bei wichtigen politischen Entscheidungen im Fürstentum ein Mitspracherecht hat, setzte das Fürstentum dabei unter Druck. Trotzdem gibt es immer wieder Beschwerden von Staaten, wonach Monaco die Untersuchung und Aufklärung schwerer Steuerdelikte behindere.

Auch ohne Einkommenssteuer schafft die Monarchie am Mittelmeer einen Budgetüberschuss, hauptsächlich durch die Mehrwertsteuer, die dank des Tourismus sprudelt. Die Einnahmen aus den Kasinos machen heute dagegen weniger als fünf Prozent der Staatseinnahmen aus.

Kasino mit Fürstentum

Böse Zungen behaupten allerdings noch immer, dass Monaco eine Spielbank mit angeschlossenem Fürstentum ist. Tatsächlich verfügt die "Société des Bains de Mer" (SBM), die seit 1863 das berühmte Kasino betreibt, über einigen Einfluss – so gehören auch Hotels, der "Beachclub" und andere Immobilien zum SBM-Besitz.

Deren Bedeutung könnte künftig noch wachsen. Gibt es doch das Gerücht, der US-Milliardär und Kasino-Unternehmer Steve Wynn wolle gemeinsam mit der zu knapp 70 Prozent den Grimaldis gehördenden SBM eine schwimmende Stadt samt Glücksspieltempel im Meer vor dem Fürstentum errichten, ein Plan, der auch dem neuen Herrscher Albert gefallen soll. Zumindest dem Aktienkurs der SBM hat dieses Gerücht nicht geschadet: An der Pariser Börse kletterte der Aktienkurs der Firma von 209 Euro im April 2004 auf derzeit 612 Euro. (moe, rott, szem, DER STANDARD, Print, 7.4.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fürst Rainier auf einem Archivbild von 1989

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