Gestiegenes Selbstbewusstsein gegenüber "Mankell & Co."

11. April 2005, 22:39
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Ende April versammeln sich 160 KrimiautorInnen zur deutschen "Criminale 2005"

Arnsberg - Deutsche Kriminalromane haben nach Ansicht des Sprechers der Krimi-Autorenvereinigung "Das Syndikat", Horst Eckert, das Image des Regionalkrimis abgeschüttelt. "Der deutsche Krimi wird zunehmend professioneller und hat sich freigeschwommen. Er braucht sich hinter Mankell & Co. nicht mehr zu verstecken", sagte Eckert in Arnsberg. In der Stadt im Sauerland werden Ende April zur "Criminale 2005" 160 Krimiautoren erwartet.

Bei dem größten deutschsprachigen Krimifestival, das zum 19. Mal stattfindet, werden am 30. April beim "Tango Criminale" die Friedrich-Glauser-Preise für die besten Kriminalromane vergeben. Während der "Criminale" sind insgesamt 90 Lesungen unter anderem in einem Nachtclub und einem Sarglager geplant.

Themen-Evolution

Früher hätten die deutschen Krimis mangels einer eigenen Krimitradition im Schatten etwa der amerikanischen oder britischen Autoren gestanden. "Wir haben keinen Poe oder Chandler", meinte Eckert. Mittlerweile könnten die deutschen Autoren aber durchaus mithalten.

Dabei spiegelten die jährlich rund 200 deutschsprachigen Neuerscheinungen die Entwicklung der Gesellschaft wider, sagte Eckert. Neue Arten von Verbrechen - etwa Computerkriminalität - würden als Thema in Krimis verarbeitet. "Vielleicht gibt es bald Krimis aus dem Fußballer-Milieu", meinte Eckert mit Blick auf die Affäre um Schiedsrichter-Bestechung. Einige Themen hätten sich dagegen "tot gelaufen". So gebe es kaum noch Krimis über Serienkiller oder Kindesmissbrauch.

Starke Rolle der Frauen

Mit dem Vorurteil, dass Krimis Männersache seien, räumte Eckert auf: "Die Hälfte unserer 400 Mitglieder ist weiblich, und rund zwei Drittel der Leser sind ebenfalls Frauen." Auch wenn Frauen "softere Krimis" bevorzugten, müssten diese dennoch spannend sein. "Geschrieben werden die härtesten Krimis wiederum von Frauen", betonte Eckert.

Auch im Fernseh-Krimi sieht Eckert einen deutlichen Trend zu weiblichen Themen. Das Quoten-Fernsehen müsse "Frauen-affin" sein, sagte Eckert, weil Frauen häufig über die Programmwahl entschieden, wenn kein Sport laufe. Dies erkläre die Inflation weiblicher Ermittler in den Krimiserien.(APA/dpa)

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