So schlimm steht es wohl doch nicht um unser liebstes Insekt

    13. Juni 2019, 12:57
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    Winterverluste laut Studie an Uni Graz im Mittelwert. Österreichweit haben 15,2 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt

    Wien/Graz – Eines ist klar: Ohne unser liebstes Insekt würde es schlecht stehen um so manche Produkte in den Regalen der Supermärkte. Gäbe es die Honigbienen nicht, die für einen bedeutenden Teil (wenn auch weitaus nicht ausschließlich) der Befruchtung vieler Nutzpflanzen sorgen, müssten wir auf Äpfel, Orangen oder – naheliegenderweise – den Honig weitgehend verzichten. Zwei Drittel dieser Produkte würden ohne diese Biene tatsächlich verschwinden.

    Fakt ist aber auch, dass die Honigbiene mit den Problemen, die die industrielle Landwirtschaft ihr beschert, zumindest derzeit noch einigermaßen gut zurecht kommt. Zu kämpfen hat sie dennoch: Pestizide wie jene aus der mittlerweile vielfach verbotenen Gruppe der Neonicotinoide machen der Honigbiene und ihren wilden Verwandten ordentlich zu schaffen. Mindestens ebenso problematisch sind jedoch auch die zunehmenden landwirtschaftlichen Monokulturen.

    Mehr Bienenvölker

    Dass Honigbienen wohl auch zumindest mittelfristig Teil unsere Umwelt bleiben werden, liegt vor allen Dingen daran, dass sie wichtige Nutztiere sind und viele Imker ihre Bienenvölker nicht nur aus lukrativen Gründen pflegen. Die Statistik bestätigt, dass Bienen der Gattung Apis so bald nicht vom Erdboden verschwinden werden: Nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen hat sich die globale Anzahl der Bienenstöcke seit den 1960er-Jahren annähernd verdoppelt.

    Andere bedeutende Bestäuber-Arten freilich, und dazu zählen neben den Hummeln auch zahlreiche andere Wildbienen, genießen nicht den Schutz durch die Imkerei. Deren Überleben ist aufgrund der dramatischen Umweltveränderungen tatsächlich ungewiss. Sie zählen zu jenen Insekten, deren massiver Rückgang zuletzt durch zahlreiche Studien belegt werden konnte.

    Ein großes Problem stellt für die gut behütete Honigbiene dennoch die Varroamilbe dar, die ursprünglich vermutlich aus Ostasien eingeschleppt wurde und bisweilen ganze Bienenvölker auszulöschen in der Lage ist. Bisher konnte keine Methode gefunden werden, mit der man dieser Pest gänzlich Herr werden könnte.

    Winterverluste im Mittelwert

    Dem heimischen Bienenbestand dürfte es immerhin einigermaßen gut gehen: Wie die Universität Graz nun berichtet, liegen die Verluste von Bienenvölkern im vergangenen Winter in Österreich weitgehend im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Österreichweit haben 15,2 Prozent der eingewinterten Bienenvölker die kalten Monate nicht überlebt. Das sind um 3,4 Prozentpunkte weniger als im Winter 2017/18. Der Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre liegt bei 16,3 Prozent. Seit dem Winter 2007/08 führt das Institut für Biologie der Uni Graz eine österreichweite Erhebung der Winterverluste von Bienenvölkern durch.

    Insgesamt haben die Grazer Forscher bei der jüngsten österreichweiten Erhebung im Rahmen des Projektes "Zukunft Biene" auf Daten von 1.534 Imkern – das sind 5,5 Prozent der österreichischen Imkereien – mit mehr als 30.000 Bienenvölkern zurückgegriffen. Bei der Höhe der Verluste sind auch regionale Unterschiede erkennbar: Hohe Verluste in Wien (19,6 Prozent) und Vorarlberg (17,7), geringe im Burgenland (9,9 Prozent), Kärnten (11,5 Prozent), Tirol (11,4 Prozent) und der Steiermark (13 Prozent), erläuterte der Projektverantwortliche Robert Brodschneider.

    Insgesamt lagen damit die Verluste im letzten Winter im Mittelfeld des langjährigen österreichischen Vergleichs, wie auch im europäischen Durchschnitt: "Die aktuellen 15,2 Prozent sind ein Wert, der in etwa den mittleren Verlusten vieler Europäischer Länder entspricht", kommentierte Brodschneider. Und beruhigend für die Gesamtbestände: "Ein rund 15-prozentiger Verlust ist über die Saison einholbar und die für die Bestäubung so wichtige Honigbienenpopulation erhaltbar", wie der Grazer Zoologe erklärte. Durch das kalte und feuchte Wetter im Mai leidet allerdings beim Blütenhonig der Ertrag.

    Steigende Tendenz

    Laut dem Dachverband der österreichischen Bienenzuchtverbände in Österreich (Biene Österreich) sichern aktuell rund 29.800 Imkerinnen und Imker mit rund 373.000 Bienenvölkern die Bestäubung der Wild- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Die Anzahl der Imkerinnen und Imker sowie die bewirtschafteten Bienenvölker waren in Österreich von 1990 bis 2006 rückläufig. Seither ist die Anzahl der Imkerinnen (2006: 23.000) und Imker (311.000) mit zwischenzeitlichen Schwankungen wieder angestiegen.

    Die seit Beginn der österreichweiten Datenerfassung höchsten Verluste wurden übrigens für den Winter 2014/15 gemeldet: Damals haben 28,5 Prozent der Völker den Winter nicht überlebt. Die niedrigsten Werte seit Erhebungsbeginn gab es wiederum im Winter 2015/16: Damals betrug die Verlustrate 8,1 Prozent. Eine stichhaltige Erklärung für dieses Wechselbad aus hohen und niedrigen Mortalitäten gibt es noch nicht. Es handelt sich vermutlich um einen Mix aus Faktoren, die möglicherweise auch interagieren und auf die Bienen einwirken, so Brodschneider. (tberg, red, 13.6.2019)

    • Kein Insekt ist so beliebt wie die Honigbiene. Die Angst, sie könnte bald verschwinden, ist zumindest vorerst unberechtigt.
      foto: apa/afp/prakash singh

      Kein Insekt ist so beliebt wie die Honigbiene. Die Angst, sie könnte bald verschwinden, ist zumindest vorerst unberechtigt.

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