Hoffnung auf Ethikunterricht für alle Kinder

    13. Juni 2019, 12:09
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    Türkis-Blau hat keinen Gesetzesentwurf hinterlassen – Befürworter sagen: "Mehr Religion ist nicht die Lösung"

    Wien – Die Befürworter eines Ethikunterrichts für alle Schüler wittern nach dem Ende der ÖVP-FPÖ-Regierung Morgenluft. Deren Plan der Einführung eines Ethikunterrichts nur für "Religionsverweigerer" hätte vor allem Kinder zurück in den Religionsunterricht getrieben, argumentierte Eytan Reif von der Initiative "Religion ist Privatsache" bei einer Pressekonferenz. "Mehr Religion ist aber nicht die Lösung."

    Die ÖVP-FPÖ-Regierung plante die Einführung eines Ethikunterrichts ab 2020 an AHS-Oberstufen und Polytechnischen Schulen bzw. ab 2021 an Berufsschulen und BMHS – allerdings nur für jene Kinder, die keinen Religionsunterricht besuchen. Das Vorhaben wurde zwar bereits im Ministerrat beschlossen, es gibt aber noch keinen Gesetzesentwurf.

    Früh beginnen

    Demgegenüber plädiert eine Initiative um Reif, Politiker von Neos, der Liste Jetzt sowie der SPÖ und SPÖ-nahe Organisationen für einen Ethikunterricht für alle Kinder – am besten ab der ersten Schulstufe. "Wer eine Basis mit pädagogischen Mitteln schaffen will, muss früh beginnen", so Reif am Donnerstag. Mit einem Start erst in der Oberstufe erreiche man jene Kinder nicht, die nach der Schulpflicht bereits die Schule verlassen.

    Derzeit würde etwa an den Wiener Pflichtschulen bereits der Islam die dominierende Religion sein, so Reif – ohne verpflichtenden Ethikunterricht für alle würden diese Schüler Werte vor allem im Religionsunterricht vermittelt bekommen. "Man darf bezweifeln, dass der Islam als primäre Wertevermittlungsquelle am besten dazu geeignet ist, Kinder aus einem anderen Kulturkreis bestens auf ein Leben in Österreich vorzubereiten", meinte Reif. "Ich sage damit nicht, dass der islamische Religionsunterricht per se schlecht ist. Die Politik hat es aber versäumt, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Das Auslagern der Wertevermittlung an Religionsgemeinschaften ist verantwortungslos."

    Sehr manipulative Stundenaufteilung

    Auch die ehemalige Wiener AHS-Direktorin Margarete Lemerhofer plädierte für einen Ethikunterricht für alle. An ihrer Schule habe sie sich gegen das von ÖVP und FPÖ angestrebte Modell entschieden, das derzeit schon in Schulversuchen erprobt wird. In Österreich gebe es keine Religionspflicht: "Es kann nicht sein, dass Schüler verpflichtet werden, einen Unterricht als Ersatz für den Religionsunterricht zu besuchen." Dazu komme auch, dass die Aufteilung der Ethik- bzw. Religionsstunden "sehr manipulativ" geschehen könne – je nach Einstellung des Direktors könne dieser "tricksen – also z.B. den Religionsunterricht in den Vormittag legen und die Ethikstunden in den Nachmittag.

    Der Klubobmann der Wiener Neos, Christoph Wiederkehr, sowie SPÖ-Gemeinderat und Kinderfreunde-Vorsitzender Christian Oxonitsch hoben das Verbindende eines Ethikunterrichts für alle hervor. "Gemeinsame Wertevorstellungen sind in Ballungsräumen von besonderer Bedeutung – daher soll der Diskurs über die Wertevorstellungen möglichst inklusiv stattfinden", so Oxonitsch. Wiederkehr wiederum forderte eigens ausgebildete Pädagogen für einen Ethikunterricht – dies könne keine Aufgabe neben der Erteilung von Religionsunterricht sein. (APA, 13.6.2019)

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