Was man über UV-Strahlung wissen sollte

    13. Juni 2019, 11:14
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    Das Wissen der österreichischen Bevölkerung über UV-Strahlung sei lückenhaft, kritisieren Experten

    Wien – Beim Hautschutz gibt es noch immer zahlreiche Mythen, kritisierte Norbert Sepp, Dermatologe vom Ordensklinikum Linz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Die häufige Aussage von Patienten "Ich schmiere mich eh ein" lasse er nicht gelten. Sonnencreme schütze nämlich nur begrenzt: Sie wehre UV-B-Strahlen zwar üblicherweise zu 100 Prozent ab, UV-A-Strahlen hingegen nicht zur Gänze. "Der beste Sonnenschutz ist entweder ein mechanischer, beispielsweise ein Sonnenhut, oder das Verhalten – indem man die Anzahl der Sonnenstunden reduziert", betonte Sepp.

    Die Anzahl der Hautkrebs-Erkrankungen nimmt zu. In Österreich gebe es pro Jahr rund 30.000 Fälle. Die empfindliche Haut von Kindern müsse besonders geschützt werden. "Was Sie in den ersten 20 Lebensjahren aufführen, merkt sich die Haut", erklärte Sepp. Sonnenschutz sei aber nicht nur in jungen Jahren wichtig. "Weißer Hautkrebs tritt im Alter besonders häufig auf, da er Folge der kumulativen Sonneneinwirkung ist." Bei 80-Jährigen komme weißer Hautkrebs viermal häufiger vor, als bei 40-Jährigen. Da die Bevölkerung immer älter wird, steige die Anzahl der Fälle automatisch an.

    UV-Schutz im Urlaub ist nicht nur am Strand, sondern auch in den Bergen essenziell. Pro 300 Höhenmeter steige etwa die UV-Strahlung um vier Prozent, während Wolken die Strahlung nur um zehn Prozent reduzieren. Im Schatten werden 50 Prozent herausgefiltert.

    Mittagssonne ist für Augen nicht das größte Problem

    Durch die ansteigende UV-Belastung erhöht sich auch die Gefahr von Augenschäden – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. "Wir schützen genau die am wenigsten, die es am meisten brauchen", sagte Markus Gschweidl, Bundesinnungsmeister der Augenoptiker. Das Wissen über die negativen Konsequenzen von UV-Licht ist laut Geschweidl in der Bevölkerung nur lückenhaft vorhanden. 97 Prozent der Kinder tragen nicht regelmäßig eine Sonnenbrille, betonte Gschweidl – im Gegensatz zu ihren Eltern. "Dabei lassen die Augen von Kindern unter zehn Jahren 75 Prozent der UV-B-Strahlen durch." Ab 25 Jahren seien es nur mehr zehn Prozent.

    UV-B-Strahlen können Hornhautentzündungen auslösen, UV-A-Strahlen gelangen zum Teil bis zur Netzhaut, wo sie Schädigungen wie Grauen Star verursachen können. 20 Prozent aller Katarakte werden laut Weltgesundheitsorganisation WHO durch UV-Strahlen verursacht oder verschlimmert. Außerdem bestehe eine starke Korrelation mit Bindehauterkrankungen, so Gschweidl.

    Ein Irrglaube sei, dass die Mittagssonne für die Augen das größte Problem darstellt. Denn das Licht von oben und von vorne werde durch Sonnenbrillen und Kappen abgehalten. Die versteckte Gefahr sei vielmehr das seitlich einfallende Licht, etwa um neun oder 15 Uhr, bei tiefstehender Sonne. "Dagegen bieten die meisten Brillen keinen Schutz", erklärte der Innungsmeister. "Bei seitlichem Lichteinfall wird die Strahlung durch die Hornhaut und Linse zudem bis zu 20-fach verstärkt." In vielen Kontaktlinsen sei bereits ein UV-Schutz integriert, den meisten ihrer Träger wissen jedoch, ob ihr Linsenmodell darüber verfüge, betonte der Experte. (APA, red, 13.6.2019)

    • Sonnencreme schützt nur gegen UV-B-Strahlen zu 100 Prozent.
      foto: getty images/istockphoto

      Sonnencreme schützt nur gegen UV-B-Strahlen zu 100 Prozent.

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