Luxus: Kapstadt hat das wohl größte Tierhotel der Welt

    13. Juni 2019, 11:28
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    Während es in den Armenvierteln den Menschen am Nötigsten fehlt, bietet das Tierhotel Luxus für Hund, Katze und Co. Kritik bleibt nicht aus.

    Kapstadt – Goldgerahmte Hundeporträts, ein Kronleuchter, handgenähte Bettbezüge: "Ziggys" vorübergehendes Zuhause strotzt vor Dekadenz. Während seine Besitzerin den Skiurlaub in Frankreich genießt, wird der Dackel zwei Wochen lang im womöglich größten Tierhotel der Welt verwöhnt: Spa-Besuche, Haareschneiden und Wassergymnastik stehen hier auf dem Programm.

    Das AtFrits empfängt seine vierbeinigen Gäste im südafrikanischen Kapstadt. In dem Land herrscht große Armut – von dem Geld für eine Nacht in dem Hotel könnte eine ganze Familie mehrere Tage leben. Viele Tierliebhaber erfreuen sich über das Angebot in der pittoresken Hafenstadt. Andere finden den Luxus verwerflich.

    Livebilder per App

    "Es war wirklich schön zu wissen, dass in den Suiten und den Spielflächen eine Kameraüberwachung angeboten wird – falls wir irgendwann am Tag nach ihnen (den Hunden) schauen wollen", meldet sich "Ziggys" Besitzerin Sheri Hasson aus den Alpen. Eine App des Hotels liefert den besorgten Tierhaltern Livebilder aus allen Räumen direkt auf ihr Smartphone.

    Mitten im Stadtzentrum reiht sich das Hotel ein zwischen Kapstadts bekanntesten Restaurants und Bars. Schon vor der Eingangstür wird klar, wer hier im Mittelpunkt steht: Statt rotem Teppich empfängt grüner Rasen die Gäste. In der Hotellobby stehen Regale mit Leckerli und Hundemode. An den Zimmertüren prangen anstelle von Nummern Beschriftungen wie "Catwoman" oder "Jurassic Bark".

    Private Spielstunden

    250 Hunden und 33 Katzen bietet das Hotel Platz. Ein Zimmer kostet zwischen umgerechnet 9,50 Euro und 34 Euro. Wer seinem Liebling zusätzlich noch einen Spa-Besuch oder etwa eine private Spielstunde gönnen will, zahlt extra. Auf Wunsch bietet das "AtFrits" auch einen Fahrservice für die vierbeinigen Gäste an.

    Dekadent findet Klue ihr Establishment nicht. "Wir sind Tierliebhaber und wollen nichts ins Lächerliche ziehen." Das heißt zum Beispiel: Im Spa schneiden die Mitarbeiter Krallen, putzen Zähne und frisieren die Tiere. Mit rosafarbenem Fell verlässt aber kein Gast das Hotel.

    Gehobener Service

    Im Untergeschoss zeigt die Chefin, weshalb sie das "AtFrits" auch als Rehazentrum versteht. Im Pool macht die Tiertherapeutin Tineka Kriel Schwimmübungen mit der Terrierdame "Clara". Das helfe bei der Rehabilitation nach Verletzungen oder Operationen, erklärt sie.

    Mit seinem gehobenem Service für Vierbeiner liegt das "AtFrits" im Trend. Eine Website für Tierunterkünfte führt rund 800 Hotels und Pensionen allein in Deutschland auf. In den USA startete mit "The Barkley" sogar eine Kette von Luxus-Tierhotels. Klue ist nach eigener Recherche überzeugt: Mit 2.400 Quadratmetern übertrumpft das "AtFrits" in Sachen Hotelfläche alle anderen. Beim Guinnessbuch der Rekorde habe sie einen Antrag für das größte Tierhotel der Welt eingereicht.

    Wachsende Ungleichheit

    Doch eine solche Institution wird in Kapstadt kritischer beäugt als in Berlin oder New York. Fast ein Fünftel aller Südafrikaner lebten der Weltbank zufolge 2015 unter der Armutsgrenze von 1,90 Dollar. Ist es in dieser Umgebung verwerflich, ein exklusives Hotel für Tiere zu führen? "Nein, aber es zeichnet ein unverfälschtes Bild der Ungleichheit in Südafrika", meint Armutsforscher Rocco Zizzamia von der Universität Kapstadt. Ein Weltbank-Bericht von 2018 kommt zu dem Schluss, dass die Ungleichheit in Südafrika nicht nur zu den höchsten der Welt gehört, sondern dass sie in den vergangenen 25 Jahren sogar angestiegen ist.

    "Ich arbeite bis zu zwölf Stunden am Tag. Dennoch bleiben für jeden meiner Buben gerade einmal 700 Rand im Monat", sagt Tankwart Lindile Zweni, der im einem Armenviertel von Kapstadt, einem sogenannten Township, lebt. 700 Rand sind ungefähr 43 Euro. Er muss spöttisch grinsen, als er von dem Hotel für Haustiere hört. "Ich kann nicht fassen, dass andere Südafrikaner an nur einem Tag fast den gleichen Betrag für einen Hund ausgeben." (Tycho Schildbach, APA, dpa, 13.6.2019)

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      foto: getty images/istockphoto/yelizaveta tomashevska
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