Jon Stewarts wütende Rede vor US-Kongress für 9/11-Einsatzkräfte

    Video12. Juni 2019, 15:46
    246 Postings

    Der Comedian und ehemalige Talkshow-Moderator vertritt schwer erkrankte First Responder in ihrem Kampf um die Erneuerung eines 9/11-Gesundheitsfonds

    Washington – "Sie haben innerhalb von fünf Sekunden reagiert. Sie haben ihren Job gemacht. Mit Mut, Würde, Hartnäckigkeit und Demut. 18 Jahre später machen Sie Ihren!" So beendete der ehemalige Moderator der "Daily Show", Jon Stewart, am Dienstag seine emotionale Rede vor dem US-Kongress in Washington – vor großteils leeren Stühlen der Abgeordneten.

    "Krank und sterbend haben sie sich hierhergeschleppt, um dann vor niemandem zu sprechen", sagte Stewart, der die sogenannten 9/11 First Responder, also Einsatzkräfte von Polizei, Rettung und Feuerwehr, die bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 im Einsatz gewesen waren, vertritt, und zeigte auf die leeren Reihen vor ihm.

    foto: imago /mike theiler
    "Ich bin wütend", räumte Stewart, hier neben dem an Krebs erkrankten Polizisten Luis Alvarez, ein.

    Sichtlich gezeichnet

    Hinter ihm war der Saal gefüllt mit teils schwer erkrankten Menschen wie dem Polizisten Luis Alvarez, der, sichtlich gezeichnet, kurz vor seiner 69. Chemotherapie steht und extra für die Kongressanhörung das Spital verlassen hatte.

    cnn
    Die emotionale Rede Jon Stewarts vor dem schwach besetzten US-Kongress wurde seit Dienstagnacht von Millionen Menschen angesehen und geteilt.

    Bei der Anhörung geht es um die Erneuerung beziehungsweise Verlängerung der Gesundheitsfonds für die Kosten der Krankheiten, die infolge des Einsatzes ausbrachen, weil die Betroffenen dabei giftigen Staub eingeatmet hatten. Tausende kämpfen mit Krankheiten wie Krebs, aber auch chronischem Asthma und Bronchitis sowie psychischen Erkrankungen infolge der traumatischen Erlebnisse.

    Viele starben noch während des Einsatzes, viele weitere in den Jahren danach. Der Fonds wurde ursprünglich im Jahr 2010 für fünf Jahre bewilligt. Stewart kritisierte, dass die Opfer von 9/11 immer wieder um dessen Verlängerung kämpfen mussten. Und er wies darauf hin, dass die "Gleichgültigkeit" der Politik den Betroffenen "das Wertvollste raubt, das sie haben: Zeit mit ihren Familien".

    "Beschämend"

    Die Männer und Frauen hätten dem ganzen Land einen unermesslichen Dienst erwiesen, so Stewart, denn Al-Kaida habe damals nicht New York, sondern die USA angegriffen – nachdem man die Forderungen der Einsatzkräfte vor Jahren überhaupt damit abgetan hatte, dass sie ein New-York-Thema seien. "Al-Kaida rief nicht 'Tod dem Tribeca' (ehemaliges Industrieviertel, das in den 1990 aufgewertet wurde, der Name ist eine Abkürzung der geographischen Verortung: triangel beneath Canal Street, Anm.)", so der Comedian und Aktivist.

    foto: apa/afp/getty images/zach gibson

    Das Fehlen der Kongressabgeordneten nannte Stewart, der während seiner Rede mit den Tränen kämpfte, "beschämend, eine Schande für das Land und einen Schandfleck auf dieser Institution". Am Ende seiner bewegenden Rede erhielt Stewart stehende Ovationen. (cms, 12.6.2019)

    Share if you care.