Ja, nein und das Gegenteil davon: Entlarvung von Politsprech bei Markus Lanz im ZDF

12. Juni 2019, 15:27
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Markus Lanz wirft den Fragentoaster an, und Carsten Linnemann landet bis zum Hals im Phrasensumpf

Dass Politiker in politikabstinente Talkshows pilgern, ist logisch. Ein paar Schwänke aus dem Alltagsleben streuen, Sympathiemeilen sammeln und krawattenlos die Botschaft versprühen, auch nur ein schwacher Erdling zu sein. Warum Parlamentarier bei Markus Lanz im ZDF antreten, ist allerdings schwerer zu erklären – besonders in politikheißen Zeiten wie diesen. Die große Koalition wackelt. Die Frage der Kanzlerkandidatur in der Merkel-Nachfolge beunruhigt.

Carsten Linnemann, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, besucht Lanz dennoch, und es kommt, wie es kommen muss. Lanz wirft den Fragentoaster an, und Linnemann landet bis zum Hals im Phrasensumpf: Man könne doch in der Partei unterschiedlicher Meinung sein! Wir sind doch ein freies Debattenland! Sie, Herr Lanz, wären vielleicht auch ein guter Kanzlerkandidat, haha!

Scherze helfen nur kurz, es kommt noch dicker für Linnemann. Neben ihm sitzt ein Mann mit lächerlichem Irokesenschnitt, aber gnadenloser Politanalytik. In einer spontanen Klassifizierung von Linnemanns Auftritt ortet Blogger Sascha Lobo "Bullshit-Verdacht" und typisch wortreiche Nichtkommunikation. Linnemann habe "Ja, nein und das Gegenteil von beidem gesagt", analysiert Lobo. Dieser Stil gehe am Publikum vorbei.

Der Gemeinte versucht zu lächeln. Für ihn gibt es hier jedoch nichts mehr zu gewinnen. Immerhin entschlüpft ihm ein authentischer Satz: "Ich freue mich auf die Sommerpause." Nach diesem Auftritt glaubt es ihm jeder. (Ljubiša Tošić, 12.6.2019)

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