Österreichs Filmbranche verpflichtet sich zur Gendergerechtigkeit

    12. Juni 2019, 13:09
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    Produktionsfirmen haben einen "Inclusion Rider" zur Stärkung der Position von Frauen unterzeichnet

    Wien – Österreich Filmwirtschaft verpflichtet sich, künftig bei Projekten die Position von Frauen zu stärken. 38 Produktionsfirmen haben einen "Inclusion Rider", eine entsprechende Vereinbarung, unterzeichnet, darunter renommierte Vertreter wie Amour Fou, Golden Girls oder Mischief. Darin verpflichtet man sich zu gleicher Bezahlung, verstärkter Einbindung und Stoffentwicklung abseits von Klischees.

    Initiiert wurde die am Mittwoch präsentierte Absichtserklärung vom Produzentinnen-Netzwerk Film Fatal, das mit dem Ziel gegründet wurde, Frauen in der österreichischen Filmbranche zu unterstützen. Damit unterscheide sich die Vereinbarung von vergleichbaren Initiativen in anderen Ländern, so Produzentin Constanze Schumann: "Unser 'Inclusion Rider' geht von Produktionsseite aus. Es ist eine freiwillige Selbstverpflichtung." Diese sei leider notwendig, da sich zwar etwas bewegt habe in den vergangenen Jahren, aber deutlich zu langsam.

    Mehr Frauen, weniger Stereotype

    Die zweiseitige Resolution umfasst im Wesentlichen drei Themenbereiche. Zum einen soll die Zahl von Frauen unter den Berufen hinter der Kamera erhöht werden. Zum anderen soll die Präsenz von Frauen auf der Leinwand nicht zuletzt unter den Nebenrollen verstärkt werden. Dabei sollen bereits während der Drehbucherarbeitung Geschlechterstereotype vermieden werden. Hier wird im "Inclusion Rider" der Bechdel-Test zur Anwendung gebracht, also die Frage, ob es zwei Frauen mit Namen im jeweiligen Film gibt, die auch miteinander eine eigene Konversation führen und dabei nicht über einen Mann sprechen.

    Mittels der Erklärung der Produktionsunternehmen soll überdies der Einkommensunterschied beseitigt werden, indem man gleiche Bezahlung bei gleicher Leistung zusagt. Bis dato würden Frauen beim Film im Schnitt noch immer 21 Prozent weniger als ihre männliche Kollegen verdienen, so Schumann. Und schließlich sollen bei gleicher Qualifikation Frauen vorrangig engagiert respektive die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestärkt werden. Das nächste Ziel sind nun Gespräche mit Fördergebern, ob der "Inclusion Rider" als Kriterium bei der Vergabe berücksichtigt werden kann.

    Frauenquote bei Förderung gefordert

    "Wer heutzutage nicht gendert, ist out. Und wer sich nicht für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt, wird seine beruflichen Ziele nicht mehr so erreichen wie früher", stellte Mercedes Echerer bei der Vorstellung des Projekts im Metro Kinokulturhaus klar, mahnte aber zugleich: "Wenn sich in der Denke, im Gefühl die Dinge nicht verändern, nützt das Papier wenig."

    Warum sich hier noch so wenig bewegt habe, bleibe ihr ein Rätsel, zeigte sich Schauspielerin Miriam Fussenegger erstaunt in Erinnerung an ihren Berufseinstieg: "Das habe ich ziemlich satt." So gut eine freiwillige Selbstverpflichtung sei, plädiere sie doch für eine Frauenquote bei der Filmförderung, unterstrich Regisseurin Marie Kreutzer. Und Schauspieler Faris Rahoma hielt ein Plädoyer für einen offenen Diskurs, sei das Schweigen doch für viele Entwicklungen verantwortlich: "Eigentlich wäre es fair, wenn Frauen jetzt mehr verdienen – nachdem sie jetzt Jahrzehnte lang weniger verdient haben." (APA, 12.6.2019)

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