Umweltschützer wollen Mindestpreis für dünne Plastiksackerl

    11. Juni 2019, 17:59
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    Ein Plastiksackerlverbot allein reicht Umweltschützern nicht, sie fordern einen Mindestpreis. Deutsche Diskonter sind schon so weit

    Wien – Ob das von Elisabeth Köstinger (ÖVP) noch zu ihren Zeiten als Umweltministerin ausgeheckte Plastiksackerlverbot nun im kommenden Jahr tatsächlich kommt, ist offen. Nicht von dem Verbot betroffen wären sehr leichte Tragetaschen – sogenannte Obst- oder Knotenbeutel -, die biologisch abbaubar sind und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Auch Mehrwegtaschen aus Kunststoffgewebe mit vernähten Verbindungen oder mit vernähten Tragegriffen, die für den mehrmaligen Gebrauch konzipiert sind, dürfen weiter benutzt werden. Müllsäcke, Gackisackerln für Hunde oder Gefrierbeutel wären von dem Verbot ebenfalls nicht umfasst.

    Für Händler, die beispielsweise Tragetaschen mit ihren Logos bereits bestellt oder in den Lagern liegen haben, gebe es zudem eine einjährige Abverkaufsfrist. Mit Ende 2020 sollte diese dann aber auslaufen. Das sind die Zugeständnisse, die der Handel Köstinger abgerungen hat. Doch wie gesagt, noch ist das Verbot nicht in trockenen Tüchern.

    Gesetz könnte im Juli stehen

    Köstinger wird die Novelle zum Abfallwirtschaftsgesetz inhaltlich unverändert zur Regierungsvorlage als Initiativantrag einbringen. Dieser muss dann erst durch den Umweltausschuss, danach könnte er im Juli im Plenum beschlossen werden.

    Greenpeace geht das nicht weit genug. Die NGO fordert einmal mehr das Aus aller Gratiswegwerfsackerln. "Nur so kann verhindert werden, dass sich das Problem auf falsche Alternativen wie etwa Papier oder Bioplastik verlagert", sagt ein Sprecher von Greenpeace Österreich. Deshalb müsse es "einen Mindestpreis auf alle Wegwerfsackerln geben", so die Position der NGO. Der Handel soll also gesetzlich verpflichtet werden, etwas dafür zu verlangen. Der Preis sei dabei sekundär: Ein paar Cent würden wohl reichen.

    Der Handel reagiert auf die immer schärfer geführten Debatten rund um weltweit wachsende Plastikberge und zieht wohl oder übel mit. Immerhin werden 750 Millionen in österreichischen Geschäften ausgegeben und weitere 388 Millionen Obst- und Gemüsesackerln. Österreich versteht sich mit dem Vorstoß zum Verbot als Vorreiter.

    Deutsche preschen vor

    In Deutschland gehen die Uhren diesbezüglich anders. Bei den Nachbarn setzt man auf die Selbstverpflichtung des Einzelhandels, kostenlose Plastiksackerln aus den Geschäften zu verbannen. Jene, die es gibt, sind zu bezahlen. Zwischen zehn und 30 Cent kosten die Kunststofftragetaschen.

    Ausgerechnet die Diskonter Aldi Nord und Aldi Süd preschten nun bei den dünnen Obstsackerln vor. Wer diese nutzt (hierzulande wären sie künftig verboten; Anm.), muss künftig einen Cent bezahlen. Ein "symbolischer Preis", wie die Handelskette laut Süddeutscher Zeitung argumentiert. Die Kunden in Deutschland sind demnach gerne auf die dünnen kostenlosen Sackerl ausgewichen, seit die dickeren Geld kosten. Bei Hofer Österreich ist Vergleichbares nicht geplant. Allerdings bietet man jetzt schon in vielen Filialen kompostierbare Obstsackerln – zum Preis von drei Cent. Plastikwattestäbchen, Einwegbecher und Plastikbesteck will man bis Jahresende aus dem Sortiment verbannen.

    (Regina Bruckner, 12.6.2019)

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      foto: apa/neubauer
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