Mein Basel: Tipps eines Einheimischen

    12. Juni 2019, 13:00
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    Uhrenjournalist Timm Delfs lebt in Basel. Hier erzählt er uns, was man in der Stadt am Rhein machen sollte – und was nicht

    "Ask a local ..." ist eine Serie, in der Bewohner Tipps geben, was in ihrer Stadt so los ist, wo man gut essen kann, was man unbedingt sehen und wo man übernachten sollte.

    Basel präsentiert sich als "Metropole im Taschenformat". Bekannt ist die Stadt im Dreiländereck Schweiz/Deutschland/Frankreich für ihre Chemie- und Pharmaindustrie und als Messestadt. Die Baselworld, die größte Uhrenmesse der Welt, aber auch die Kunstmesse Art Basel finden hier statt. Letztere beginnt am 13. Juni 2019. Aber nicht nur für Kunstsinnige hat die Stadt am Rhein einiges zu bieten – wie wir von Timm Delfs erfahren. Der Journalist und Unternehmer verrät, wo die Locals in Basel essen, feiern und shoppen.

    Wo bekommt man das beste Frühstück / den besten Lunch / das beste Dinner in der Stadt?

    Vom Hörensagen weiß ich, dass es das beste Frühstück im Hotel Drei Könige geben soll. Das kann man dann auf der Terrasse über dem Rhein genießen. Ich hab mir das allerdings noch nie gegönnt, weil’s mir einfach zu teuer ist und das Frühstück bei uns zu Hause auch nicht zu verachten ist. Für Kaffee und Gipfeli (Croissant, Anm.) empfehle ich gerne auch die Bäckerei Kult, eine junge, durch Crowdfunding finanzierte Bäckerei mit zwei Filialen, einer in Kleinbasel an der Riehentorstrasse 18, die andere in Grossbasel an der Elsässerstrasse 43. An warmen Sommerabenden hole ich mir gerne bei einer der zahlreichen Büvetten am Kleinbasler Rheinufer eine Mahlzeit, die ich dann auf den Treppenstufen zum Rhein im Licht der untergehenden Sonne verspeise. Ursprünglich ist auch die Terrasse des Restaurants Fischerstube mit seiner Mikrobrauerei. Es befindet sich in der Rheingasse.

    Auf welcher Spazierroute durch die Stadt begegnet man kaum Touristen?

    Da Basel keine sonderlich große Stadt und auch nicht auf der Checkliste der chinesischen Touristen vermerkt ist, gibt’s ohnehin relativ wenige davon. Ich empfehle einen Start im St.-Alban-Tal, wo der letzte Rest der ehemaligen Stadtmauer steht. Dann dem Rhein flussabwärts folgen, den steilen Mühleberg erklimmen und durch die St.-Alban-Vorstadt in Richtung Münster gehen, wobei man den Kunstmuseumsneubau von Herzog & de Meuron passiert. Hinter dem Münster hat man eine wunderbare Sicht über den Rhein und auf Kleinbasel. Eine steile Treppe führt zu einer Fähre, die motorlos über den Rhein setzt.

    Welches Museum kannst du empfehlen?

    Wenn man der Art wegen in Basel ist, sollte man sich natürlich das Kunstmuseum und die Fondation Beyeler (Riehen) ansehen. Empfehlenswert sind auch das Tinguely-Museum und das Vitra Design Museum in Weil am Rhein (D), wohin es Busverbindungen gibt.

    Welche Bar bietet die besten Cocktails?

    Ich weiß echt nicht, ob die Cocktails hier am besten gemixt werden; die Bar du Nord im ehemaligen Bahnhofbuffet des Badischen Bahnhofs kann ich aber wegen der tollen Location empfehlen.

    In welchen Club gehst du gerne?

    In der Nähe vom Barfüsserplatz gibt es den Jazz-Club Bird’s Eye. Er befindet sich in den Kellergewölben eines ehemaligen Gefängnisses.

    Wo trifft sich die "Szene"?

    Die Alternativen treffen sich im Restaurant Hirscheneck in der Riehentorstrasse, die Arrivierten im Restaurant Kunsthalle beim Stadttheater und der tatsächlichen Kunsthalle. Am Rhein jedoch treffen sich fast alle abends.

    Was sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen? Spezieller Ort, typisches Gericht/Getränk

    Das kleine Turmrestaurant der ehemaligen Brauerei Warteck sollte man sich allein wegen der Aussicht nicht entgehen lassen. Die Brauerei ist leicht zu finden: Dort findet die alternative Kunstmesse Liste statt.

    Wo kann man seine Kauflust am besten befriedigen?

    Die Freie Strasse ist DIE Basler Einkaufsmeile, allerdings findet man dort all die Ladenketten wieder, die es auch in anderen Städten gibt. Ergiebiger ist es, vom Fischmarkt durch die Schneidergasse Richtung Rümelinsplatz zu gehen, dort eine Runde zu drehen, um dann den Spalenberg zu erklimmen und dann durch die Spalenvorstadt zum Spalentor zu gelangen. Unterwegs gibt’s einige interessante Läden. Auch das Kleinbasel rund um das Messegelände hat einiges zu bieten, allerdings sind hier die Geheimtipps arg verstreut.

    Was sollte man auf gar keinen Fall machen?

    Die Badehose zu Hause vergessen. Denn mindestens einmal sollte man sich in den Rhein stürzen und sich mit vielen anderen rheinabwärts treiben lassen, um die Stadt aus dieser Perspektive zu erleben. Bester Einstiegsort ist das Tinguely-Museum. Aussteigen kann man fast überall am Kleinbasler Ufer. Es gibt jede Menge Duschen auf dem Weg, man darf auch in die zahlreichen Brunnen steigen. Ein wasserfester Sack für die Kleider sowie Flipflops fürs Gehen auf dem heißen Asphalt sind zu empfehlen.

    Weitere No-Gos: Versuchen, Schweizerdeutsch zu sprechen oder irgendetwas mit "Baseler" zu sagen. Das ist ebenso falsch wie "Züricher".

    Welche Sehenswürdigkeit kann man sich sparen?

    Das Spielzeug-Welten-Museum

    Wo empfiehlt es sich, sein Quartier zu nehmen?

    Ideal ist natürlich in Gehdistanz zur Messe. Der Schweizer Preise wegen ist es aber sicher empfehlenswert, sich im nahen Ausland umzusehen. Lörrach, Weil am Rhein (D) und St. Louis (F) sind gut an den Basler ÖV angebunden. Der Badische Bahnhof befindet sich in Gehdistanz zur Messe. Das heißt, dass auch alle Orte, die sich an der deutschen S-Bahn-Linie befinden, geeignet sind.

    Wohin fährst du, wenn du mal ins Grüne willst?

    Ins Grüne ist es wirklich nicht weit von der Stadt aus. Von einem der Münstertürme kann man sich leicht ein Bild davon machen. Wenn man wegen der Fondation Beyeler ohnehin nach Riehen fährt, kann man sich dort auch gleich im Grünen erholen. Es gibt dort den Wenkenpark auf einer Anhöhe sowie die Wiese, einen Fluss, der von Deutschland Richtung Rhein fließt und dabei ein Naturschutzgebiet durchquert. Folgt man diesem Fluss, gelangt man in kurzer Zeit zurück in die Stadt.

    Dieser Film / dieses Buch beschreibt die Stadt am besten?

    Der kürzlich erschienene Roman "Polarrot" von Kurt Tschan ist zwar eine erfundene Geschichte, könnte aber durchaus mehr als ein Quäntchen Wahrheit enthalten. Er handelt unter anderem von der fiktiven Firma Gugy in Basel, die während des Zweiten Weltkriegs mit der Produktion von Farbstoffen gute Geschäfte machte. Ein besonders wichtiger Kunde: Nazideutschland, für dessen Hakenkreuzfahnen Gugy die rote Farbe komponiert hat, eben Polarrot. (Markus Böhm, 12.6.2019)

    • Die Kunstmesse Art Basel geht heuer von 13. bis 16. Juni über die Bühne.
      foto: art basel

      Die Kunstmesse Art Basel geht heuer von 13. bis 16. Juni über die Bühne.

    • Das Vitra Designmuseum in Weil am Rhein ist von Basel aus gut mit dem Öffis zu erreichen.
      foto: basel tourismus

      Das Vitra Designmuseum in Weil am Rhein ist von Basel aus gut mit dem Öffis zu erreichen.

    • Gute Aussichten: Das Basler Münster
      foto: basel tourismus

      Gute Aussichten: Das Basler Münster

    • Die Stadt am Rhein in voller Pracht.
      foto: basel tourismus

      Die Stadt am Rhein in voller Pracht.

    • Auf keinen Fall sollte man seine Badehose vergessen.
      foto: basel tourismus

      Auf keinen Fall sollte man seine Badehose vergessen.

    • Ein Bad im Rhein ist in Basel ein Muss.
      foto: basel tourismus

      Ein Bad im Rhein ist in Basel ein Muss.

    • Kunst und Kultur an beinahe jeder Ecke: das Tinguely-Museum
      foto: basel tourismus

      Kunst und Kultur an beinahe jeder Ecke: das Tinguely-Museum

    • Timm Delfs, Sohn eines deutschen Vaters und einer österreichischen Mutter, ist in Basel geboren und aufgewachsen. Als freischaffender Journalist schreibt er über Uhren und andere schöne Dinge. Sein Büro, die Zeitzentrale, ist auch ein Laden und befindet sich in Kleinbasel an der Rebgasse 49, nicht weit von der Art entfernt.
      foto: privat

      Timm Delfs, Sohn eines deutschen Vaters und einer österreichischen Mutter, ist in Basel geboren und aufgewachsen. Als freischaffender Journalist schreibt er über Uhren und andere schöne Dinge. Sein Büro, die Zeitzentrale, ist auch ein Laden und befindet sich in Kleinbasel an der Rebgasse 49, nicht weit von der Art entfernt.

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