Microsoft xCloud ausprobiert: Ein erster Blick auf die Zukunft des Gamings

    Video12. Juni 2019, 17:30
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    Streamingtechnologie zeigte bei Kurztest durchaus Potential – viele Fragen aber noch unbeantwortet

    Konsole abschalten, Handy hinaus und einfach weiterspielen. Nachdem Streaming den Konsum von Musik und Video revolutioniert hat, sind als nun Videospiele an der Reihe. Spiele sollen plattformunabhängig einfach auf das Gerät der Wahl übertragen werden – potente Hardware braucht es keine mehr, dafür aber eine ordentliche Internetverbindung. Ein Wettrennen um die Technologie hat bereits eingesetzt. DER STANDARD konnte bei der E3 einen frühen Blick auf Microsofts Streaminglösung xCloud werfen.

    der standard

    Wie viel Bandbreite ist eigentlich nötig?

    Vorweg: Realistische Rahmenbedingungen gab es bei dem Kurztest nicht. xCloud konnte auf mehreren Galaxy S10 Plus im Microsoft Theater getestet werden. Die Idee hinter dem Streaming von Games ist ja, dass man sie auch unterwegs problemlos spielen kann. Getestet werden konnte also nur die stationäre Nutzung mit WLAN-Verbindung, das eigens von Microsoft bereitgestellt wurde. Wie viel Bandbreite für eine optimale Verwendung von xCloud nötig ist, wurde von dem Konzern übrigens bislang nicht verraten.

    Xbox-One-Grafik auf dem Smartphone

    Im STANDARD-Kurztest wurden Hellblade, Forza Horizon 4 und Halo 5 angespielt. Hinsichtlich der Grafik gab es nichts zu bemängeln. Pixelgrafik aufgrund schwacher Verbindung oder Artifakte traten keine auf. Alle drei Spiele waren in Xbox-One-Aufmachung auf dem Smartphone nutzbar. Fraglich ist, wie sehr sich das Ergebnis ändert, wenn man etwa xCloud unterwegs nutzt und es dabei mit einer variierenden Verbindung zu tun bekommt. Die Azure-Server für die Übertragung sollen laut einem Microsoft-Mitarbeiter übrigens rund 640 Kilometer entfernt gewesen sein.

    der standard

    Eine Verzögerung ist aber sehr wohl da

    Auffällig war beim Kurztest auch eine höhere Latenz, als etwa bei der Nutzung einer traditionellen Konsole. Dies bewegte sich noch in einem nutzbaren Rahmen, bemerkbar war die höhere Verzögerung bei der Eingabe und den Reaktionen des Autos oder der Spielfigur aber auf jeden Fall. Für einen kompetitiven Shooter eignet sich die Technologie also vorerst nicht. Welche Auswirkungen nicht ganz optimale Rahmenbedingungen haben, wird sich auch noch herausstellen müssen.

    Noch sehr viele Fragezeichen rund um xCloud

    Microsoft will xCloud im Oktober 2019 als Beta starten, also rund ein Monat bevor Google Stadia in ausgewählten Ländern veröffentlicht. Der Service soll das Streaming von gekauften Titeln und Spielen des Xbox Game Passes mit sich bringen. Aktuell gibt es aber noch viele Fragezeichen rund um xCloud. Wird etwa iOS unterstützt? Welche Bandbreite wird nötig sein? Wie viel wird die Nutzung des Dienstes kosten? Microsoft hat bei der E3 das Thema nur beiläufig angeschnitten.

    Braucht es AAA-Titel auf dem Smartphone?

    Fraglich ist zuletzt, ob man Hochglanz-Spiele überhaupt auf dem Smartphone nutzen möchte. Für aufwändige Produktionen nimmt man sich Zeit, setzt sich vor PC oder Konsole und schirmt sich von der Realität ab. Der Kurztest von xCloud im Microsoft Theater schaffte es nicht ganz die Atmosphäre und den Spielspaß der ausgewählten Titel zu vermitteln.

    microsoft

    Die Revolution wir noch eine Weile dauern

    xCloud ist aktuell ein vielversprechender Blick in die Zukunft, die Gaming gewissermaßen demokratisiert und komplett neue Möglichkeiten mit sich bringt. Seit Jahren beißen sich Unternehmen jedoch die Zähne an Spielestreaming aus und auch Microsoft hat noch Arbeit vor sich. Netflix und Spotify haben Video und Musik in nur kurzer Zeit revolutioniert und bestehende Lösungen verdrängt. Die Videospiele-Revoution dürfte allerdings noch eine Weile dauern. (Daniel Koller aus Los Angeles, 12.6.2019)

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      daniel koller/derstandard.at
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