"Big Little Lies" wird mit Meryl Streep noch besser

    10. Juni 2019, 08:00
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    In der Nacht auf Montag startete auf Sky die zweite Staffel der Monterey-Saga mit Kidman, Witherspoon und Streep als genialem Neuzugang

    Auch ein schlechter Mensch hinterlässt eine Lücke, wenn er stirbt. Der Feind lebt in den Welten der Zurückgebliebenen weiter, er geistert umher. Die Spuren, die er zeit seines Lebens gelegt hat, bleiben erhalten, die Wunden sichtbar.

    Achtung! Die nächsten Absätze enthalten Spoiler zu beiden Staffeln von "Big Little Lies".

    foto: hbo / sky

    Der Tod des Schlägers, Vergewaltigers und Psychoterroristen Perry (Alexander Scarsgard) aus der ersten Staffel von "Big Little Lies" hat den Zurückgebliebenen kaum Erleichterung gebracht, dafür tiefe Spuren hinterlassen. Schlechtigkeit hat eine hohe Halbwertszeit.

    Vertuschen

    Kurzum, die Voraussetzungen zu Beginn der zweiten Staffel sind von vornherein ungünstig. Immerhin gilt es einen Mord zu vertuschen, der zwar in den Augen von Perrys Ehefrau Celeste (Nicole Kidman) und ihren Freundinnen Madeline (Reese Witherspoon), Jane (Shailene Woodley), Renata (Laura Dern) und Bonnie (Zoe Kravitz) – und womöglich auch aus der Sicht der meisten Zuschauer – gerecht war.

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    Dennoch bleibt es Mord, und was die äußere Handlung betrifft, ist damit der Bogen gespannt für sieben weitere Folgen innerfamiliärer Dramen.

    Staffel zwei startete in der Nacht auf Montag parallel zur US-Ausstrahlung auf mobilen Diensten von Sky und beginnt am Montag um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD.

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    Mit dem Tod gehen alle anders um. Celeste trauert um ihren Mann, lebt ihre Schuld, und ja, sie vermisst den Täter, der sie geschlagen, getreten, vergewaltigt hat.

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    Madeline lebt ihr Leben, wie immer, in ständiger Aufregung, dieses Mal, weil Tochter Abigail nicht aufs College will und ihre Ehe mit Ed (Adam Scott) ein einziger Murks ist.

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    Renata bleibt die fuchtige Helikoptermutter, die mit Angstattacken ihrer Tochter und den existenzbedrohenden Betrugsgeschäften ihres Mannes kämpft.

    Jane ringt mit ihrer Vergangenheit für eine bessere Zukunft, indem sie zarte Bande mit einem jüngeren Mann knüpft.

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    Bonnie stellt die Schuldfrage, ihre Mutter ist nur wenig hilfreich.

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    Und als ob da nicht schon genug zu bewältigen wäre, taucht auch noch Sie auf: Perrys Mutter Mary Louise, die die Umstände des Todes klären möchte. Meryl Streep spielt sie. Und es wäre nicht sie, wenn das Geschehen nicht ab der ersten Szene von ihrer Anwesenheit bestimmt würde.

    Mary Louise als dominant zu bezeichnen wäre grob vereinfacht und würde der Rolle nicht gerecht werden. "Ich habe kein Vertrauen zu kleinwüchsigen Menschen", sagt sie der kurz gewachsenen Madeline ins Gesicht und reiht sie bei der ersten Begegnung in die Gruppe der "Wanter", also solcher, die im Leben "immer nur wollen, aber nichts bekommen". Aber bitte, meine Liebe, nimm's nicht persönlich! Sie sei ja selbst so eine, sagt Mary Louise, sie wolle ja auch etwas, nämlich wissen, was mit ihrem Sohn passierte. Hinterfotzig ist ein Hilfsausdruck. Mary Louise wird noch Schwierigkeiten machen.

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    "Big Little Lies" markierte 2017 einen Meilenstein im goldenen Fernsehzeitalter und setzt in der Fortsetzung nicht zuletzt dank Streep einen weiteren. Bis noch vor wenigen Jahren schien undenkbar, Hollywoods A-Liga an Schauspielern, Autoren und Regisseuren für die Serien zu gewinnen. Mittlerweile spielen sie alle mit, Julia Roberts tut es mit "Homecoming", George Clooney kehrte nach "Roseanne" und "ER" jüngst mit "Catch 22" zurück. Man kommt um Serien nicht mehr herum. Dass Streep diesen ohnehin schon illustren Cast bereichert, ist ein neuerlicher Ritterschlag für das Medium Fernsehen.

    Produziert hat wieder David E. Kelley, der die Folgen gemeinsam mit Liane Moriarty und Matthew Tinker geschrieben hat, zu den renommiertesten Serienmachern in Hollywood zählt und als einer der Wegbereiter des Quality-TV gilt mit Serien wie "Ally McBeal" und "Boston Legal".

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    Regie führte Andrea Arnold, eine der derzeit spannendsten Regisseurinnen der Film- und Serienszene im angloamerikanischen Raum. Die Britin erhielt für den Kurzfilm "Wasp" einen Oscar und spielte sich mit dem Indiefilm "Fish Tank" in den Wettbewerb um die Goldene Palme in Cannes. Sie ist bekannt dafür, den Schauspielerinnen in der Entwicklung größtmögliche Freiheit zu gewähren.

    Das hat sich ausgezahlt. (Doris Priesching, 10.6.2019)

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