Motten: Wenn es im Gewürzschrank wurlt

    8. Juni 2019, 09:00
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    Fast jeder hatte schon mit Motten zu kämpfen. Oft werden sie aus dem Supermarkt eingeschleppt. Ihre Hartnäckigkeit treibt manche in die Verzweiflung

    Das Drama verläuft immer ähnlich – und in mehreren Akten: Beim Herausziehen einer Küchenlade flattert etwas Dunkles heraus und entschwindet. Ein Blick auf eine schon geöffnete Müslipackung oder Gewürze offenbart Gespinste und Larven. Die Sache ist schnell klar: Lebensmittelmotten, schon wieder! Meist werden die Tierchen aus dem Supermarkt durch kontaminierte Lebensmittel eingeschleppt. Manchmal kommen die Motten auch vom Nachbarn.

    Nun ist schnelles Handeln gefragt. "Bei idealen Umgebungsbedingungen können sich Motten explosionsartig vermehren", warnt die Wiener Schädlingsbekämpferin Miriam Singer von der Assanierungsgesellschaft Michael Singer. Die Quelle muss ausgemacht und entfernt werden. Dabei ist mitunter detektivisches Gespür gefragt.

    Bei einer Userdiskussion auf derStandard.at, in der es vor kurzem um Ungeziefer in den eigenen vier Wänden ging, wurde über kreative Verstecke für den Mottennachwuchs diskutiert: In Ritzen und Spalten, sogar in den Schraubenlöchern im Kasten wurden schon Larven entdeckt. Singer empfiehlt, nach dem Entfernen der Quellen zwei Wochen zuzuwarten. Viele würden so das Problem auch ohne Kammerjäger in den Griff bekommen.

    Profi rückt an

    Viele kaufen sich auch Pheromonfallen im Supermarkt. Durch darin enthaltene Lockstoffe kommen Motten angeschwirrt und bleiben kleben. Das sieht wenig gschmackig aus – und ist zur Bekämpfung nur mäßig effektiv, wie Singer erklärt. Die Fallen würden sich zur raschen Befallsfeststellung und zur Vorbeugung eignen. "Ich habe zu Hause immer welche aufgestellt", sagt Singer. Außerdem ist es ratsam, nichtbefallene Lebensmittel in verschließbaren Dosen zu verstauen.

    Auch Schlupfwespen werden in diversen Onlineforen als Wunderwaffe gegen Motten gehandelt. Die Eier der Tierchen können online bestellt werden. Die Parasiten machen sich nach dem Schlüpfen auf die Suche nach Motteneiern. Das kann schon wirksam sein, sind sich Schädlingsbekämpfer einig. "Aber dann hat man halt statt Motten Schlupfwespen herumfliegen", sagt Christoph Kohsem vom Schädlingsbekämpfungsunternehmen Purissima.

    Ist das Mottenproblem hartnäckig, wird der Raum von einem Profi genebelt. Das bedeutet, dass eine Flüssigkeit wie ein Sprühregen im Raum verteilt wird und sich auch in kleine Ritzen legt, in denen sich die Larven befinden. 24 Stunden lang sollte der behandelte Raum dann nicht betreten werden.

    Hartnäckige Kleidermotten

    Ähnlich funktioniert die Bekämpfung von Kleidermotten, die ihre Eier in Kleider legen – und ähnlich hartnäckig sind. "Alles, was waschbar ist, sollte gewaschen werden", sagt Singer – mit mindestens 60 Grad. Das geht nicht bei jedem Kleidungsstück. Alternativ kann die Kleidung auch im Gefrierfach oder in der Sauna landen. Manche schleppen sich die Tiere durch Secondhand-Möbel ein. Singer empfiehlt, diese gut zu reinigen – und, wenn möglich, mit Hitze zu behandeln.

    Klar ist: Motten kommen auch in den saubersten Haushalten vor. Die Sensibilität für die Problematik ist laut Singer aber individuell: "Die einen rufen uns, wenn fünf Motten fliegen, die anderen, wenn schon die Kleider zerfressen sind." Echte Extremfälle gibt es auch: "Wir haben schon einmal die Tür gleich wieder zugemacht, weil es geflattert hat wie in einem Schmetterlingshaus." (Franziska Zoidl, 8.6.2019)

    • Wer die Motten loswerden will, muss aber zuerst ihre Quelle finden.
      foto: istock/wakila/stephan zabel

      Wer die Motten loswerden will, muss aber zuerst ihre Quelle finden.

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