"Mr. gay latino": Homophobe Verspottung verstößt nicht gegen Youtubes Richtlinien

    5. Juni 2019, 11:40
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    Carlos Maza wird seit zwei Jahren wiederholt von einem anderen Youtuber in dessen Videos verhöhnt

    Youtubes Richtlinien zu hasserfüllten Inhalten sind einmal mehr Gegenstand einer Kontroverse. Das Unternehmen sieht in den homophoben und rassistischen Äußerungen eines Youtubers gegen einen Journalisten von Vox keine Verletzung seiner Richtlinien.

    Wiederholte Angriffe

    Steven Crowder macht in seinen Videos wiederholt Anspielungen auf die sexuelle Orientierung des Vox-Journalisten Carlos Maza, der die Youtube-Serie Striketrough moderiert. Maza hat einen Zusammenschnitt einiger Aussagen auf Twitter veröffentlicht. Crowder richtet sich beispielsweise direkt an Maza: "Du hast einen Freibrief als beschissener Autor, weil du schwul bist." Er verhöhnt ihn mit Schmähnamen wie "Mr Gay Vox" und macht sich über seine Herkunft und Art zu reden lustig.

    Die Übergriffe auf Maza beschränken sich nicht nur auf Youtube. In seinem Twitter-Banner-Foto trägt Crowder ein T-Shirt mit der homophoben Aufschrift "Socialism is for f*gs". Seine Fans haben daraus "Carlos Maza is a f*g" gemacht und bieten das Shirt online zum Verkauf an. Crowder bezieht in einem aktuellen Video Stellung dazu, wie "The Verge" berichtet. Darin entschuldigt er sich zwar dafür, dass er diverse Personen verspottet hat, verteidigt seine Aussagen jedoch als Scherze und "harmloses Aufziehen".

    screenshot: twitter
    Die homophoben Beleidigungen von Steven Crowder verstoßen laut Youtube nicht gegen die Richtlinien.

    "Eindeutig verletzend, aber kein Verstoß"

    Youtube hat sich nun dazu geäußert. Auf Twitter schreibt das Unternehmen, dass Crowders Aussagen zwar "eindeutig verletzend" seien, aber nicht gegen die Richtlinien verstoßen würden. Für eine offene Plattform sei es wichtig, dass jeder seine Meinung im Rahmen der Richtlinien äußern dürfe. Diese könnten auch "sehr übergriffig" sein, aber dennoch keinen Verstoß darstellen. Das Unternehmen fügte hinzu, dass man solche Standpunkte aber nicht unbedingt teile, auch wenn die Videos nicht gelöscht werden. Crowders Channel werde allerdings noch wegen anderer potenzieller Verstöße gegen die Richtlinien untersucht.

    Maza zeigte sich auf Twitter sehr verärgert über diese Reaktion. "Youtube hat beschlossen, Crowder nicht dafür zu bestrafen, dass er mich zwei Jahren beschimpft weil ich schwul und Latino bin". Besonders heuchlerisch für Maza: Youtube setze sich eigentlich offen für die Rechte von LGBT-Personen ein und nimmt auch an Aktivitäten rund um den Pride Month teil. (red, 5.6.2019)

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