Komplexitätsforscher: Mit Schauspielkarrieren geht es meistens abwärts

    4. Juni 2019, 17:00
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    Forscherteam analysierte die Laufbahnen von 2,4 Millionen Film- und TV-Schauspielern und kam zu ernüchterndem Ergebnis

    foto: reuters/luke macgregor
    Acht Jahre sind seit dem letzten "Harry Potter"-Film vergangen. Die Schauspielkarriere von Rupert Grint alias Ron Weasley ist seitdem eher schleppend verlaufen.

    Wien – Würden Komplexitätsforscher einen Stand auf Berufsmessen betreiben, dann würden sie von einer Schauspielerkarriere wohl klar abraten. Oder zumindest dürfte dies für das Team um Vito Latora gelten, einen Physiker und Komplexitätsforscher, der unter anderem am Complexity Science Hub (CSH) in Wien arbeitet und für eine Studie die Laufbahnen von über zwei Millionen Schauspielern analysiert hat – mit ernüchterndem Ergebnis.

    Latora nahm zusammen mit Lucas Lacasa von der Queen Mary University of London und Kollegen die Karrieren von 1,5 Millionen Schauspielern und 900.000 Schauspielerinnen unter die Lupe. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von der Geburt des Films 1888 bis zum Jahr 2016. Das Material lieferten die Einträge in der International Movie Database (IMDb), wo für alle Schauspieler verzeichnet ist, in welchem Jahr sie an welchen Filmen und TV-Produktionen mitgewirkt haben.

    Düstere Aussichten

    Das Ergebnis liest sich wie eine Aneinanderreihung trister Fakten: Es gab seit Anbeginn von Film und Fernsehen nur wenige Stars und viele rasch verglühende Sternschnuppen, so die Forscher. Während rund 90 Prozent arbeitslos seien, könnten nur zwei Prozent der Schauspieler von dieser Tätigkeit leben. Bei knapp 70 Prozent der Darsteller endete die Karriere noch im selben Jahr, in dem sie begonnen hatte. Bei den übrigen sank die Wahrscheinlichkeit von Jahr zu Jahr, dass sie weitergeht.

    Außer auf eine wahrscheinlich kurze Karriere müssen sich angehende Film- und TV-Schauspieler laut den Forschern auch auf "Hungerjahre" ohne TV- und Filmauftritte einstellen – und ein schlechtes Jahr bleibe selten allein. Allerdings gebe es umgekehrt auch oft mehrere produktive Jahre hintereinander. Das käme wahrscheinlich davon, dass Schauspieler eher eine Rolle bekommen, wenn sie gerade präsent sind, meinen die Forscher. Dadurch würde auch das Matthäus-Prinzip ("Wer hat, dem wird gegeben") die Filmbranche prägen.

    Von nun an ging's bergab

    Die meisten Darsteller, die zumindest 20 Jahre im Geschäft geblieben sind, hatten ihr erfolgreichstes Jahr eher zu Beginn der Karriere – ein Effekt, der sich vor allem bei Schauspielerinnen zeigt, deren Karrieren tendenziell kürzer sind als die ihrer männlichen Kollegen, erklären die Forscher. Für eine solche Abwärts-Kurve gebe es sogar statistische Vorzeichen, weshalb man zu 85 Prozent vorhersagen könne, ob ein Schauspieler seinen Karriere-Höhepunkt schon hinter sich hat oder ob er auf noch bessere Zeiten hoffen darf.

    Immerhin ist noch ein Joker im Spiel: Nicht vorhersagen könne man nämlich Comebacks – also ob nach Erfolgen mit anschließendem Verschwinden in der Versenkung noch einmal produktive Jahre mit mehreren Engagements folgen. Die Daten zeigen laut den Forschern jedoch, dass dies recht selten passiert. (APA, red, 4. 6. 2019)

    foto: reuters/jasin boland/paramount pictures
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