Gewalt im Sudan: Kein Platz für Demokratie

Kommentar3. Juni 2019, 13:00
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Der Wunsch der Demonstranten, die Diktator Bashir gestürzt haben, nach mehr Freiheit, hat auch Feinde im Ausland: Ägypten, Saudi-Arabien und die Emirate

Die Tragödie hatte sich abgezeichnet: Offenbar fürchteten die sudanesischen Militärs die Kraft der freudigen, aber umso entschiedeneren Stimmung der Demonstranten und Demonstrantinnen am bevorstehenden Ramadan-Ende und schlugen kurz davor zu. Die Geschichte ist immer die gleiche: "Kriminelle Elemente", die sich in die Proteste mischen und die "nationale Sicherheit gefährden", würden ein begrenztes Eingreifen nötig machen – das sich jedoch nicht gegen die Demokratiebewegung richte, mit der man weiter über eine Übergangsregierung verhandeln werde.

Die Berichte aus Khartoum am Montag widersprechen dem massiv. Als Hüter der staatlichen Ordnung sind auch oder vor allem die berühmt-berüchtigten RSF im Einsatz: Sie sind nichts anderes als die 2013 als "Rapid Support Forces" institutionalisierten und aus dem Darfur-Krieg bekannten Janjaweed-Milizen. Ihr Chef ist der Vizepräsident des Transitionsmilitärrats (TMC), Mohammed Hamdan Dagalo, genannt Hemeti. Er hat zuletzt der "Freiheit und Wandel"-Allianz, wie sich die Demokratiebewegung nennt, massiv gedroht. Manche sehen ihn, und nicht TMC-Chef Abdelfattah al-Burhani, als neuen starken Mann. Aber auch innerhalb der Junta, in diesem ganzen komplexen Netz von Militärs und Paramilitärs und Islamisten, ist diese Frage wohl noch nicht geklärt.

Lehren gelernt

Die mutigen sudanesischen Demonstranten und Demonstrantinnen hatten die Lektion aus dem arabischen Frühling gelernt und sich nicht mit dem Sturz des Diktators zufrieden gegeben. Ihr Wunsch nach einem echtem Systemwandel hat aber nicht nur innersudanesische Feinde. Als nicht nur Ägypten, sondern auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate den neuen Machthabern mit Rat und Tat beisprangen, ahnte man bereits, was kommen würde.

Die Revolution war eine gute Gelegenheit, das Regime von jenen Islamisten zu säubern, die den Muslimbrüdern zugerechnet werden, wie auch den unbequem gewordenen Langzeitmachthaber Omar al-Bashir selbst. Übrig blieben Militärs, die in das sicherheitspolitische Konzept der Herrscher am Golf passen – die ja aus den gleichen Gründen bereits den Aufstieg Abdelfattah al-Sisis in Ägypten gefördert haben. Eine Demokratiebewegung kommt in so einem Szenario nicht vor. Knapp zwei Monate nach dem Sturz Omar al-Bashirs steht sie wieder am Anfang. (Gudrun Harrer, 3.6.2019)

  • In Khartoum gehen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vor.
    foto: ashraf shazly / afp

    In Khartoum gehen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vor.

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