Liverpools CL-Finalsieg: Ein Antikick für die Ewigkeit

    2. Juni 2019, 14:09
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    Das 2:0 gegen Tottenham war ein sagenhaft unansehnliches Fußballspiel – und eine Lektion über die wichtigen Dinge im Leben

    Es gibt auf Österreichs Fußballtribünen ein wunderbares, wenn auch viel zu selten angestimmtes Lied: "Des is ka Fuaßboispü, des is a Oaschpartie…". Am Samstagabend war das in Madrid nicht zu hören, aber nur, weil der Durchschnittsbrite sehr schlecht österreichisch spricht.

    Liverpool krampfte, taktierte und rumpelte im Finale der Champions League gegen Tottenham zum Sieg. Vielleicht war das Schicksal, immerhin stand der Fußballgott bei Trainer Jürgen Klopp in der Kreide: Mit 97 Punkten wurden die Reds heuer Ligazweiter, im Vorjahr verloren sie das CL-Finale gegen Real Madrid mit viel Pech.

    Der Elfer und der Antikick

    Die Favoriten starteten dank eines nach 20 Sekunden gepfiffenen Handelfmeters praktisch mit 1:0 und zeigten dann kein Interesse mehr an einem Fußballspiel. Eine erstklassige Innenverteidigung reichte gegen eine Tottenham-Elf, die den berühmten letzten Pass ein ums andere Mal vergeigte. Liverpool hatte seinerseits eine Passquote von 68 Prozent. Diesen Wert übertrifft selbst die Betriebsmannschaft des STANDARD. Auch das finale 2:0 von Divock Origi passierte mehr, als dass es herausgespielt wurde.

    Und, und das war wahrscheinlich das Wichtigste an diesem warmen spanischen Frühsommerabend: Es war egal. Vielleicht nicht den Feinschmeckern, die mit Gusto auf das Hochamt des Klubfußballs 5000 Euro für Schwarzmarkt-Tickets bezahlt hatten. Aber es war Klopp egal, als er von seinen Spielern in den Himmel geworfen wurde. Es war James Milner egal, als er mit seinen Kindern abklatschte, wieder und wieder, als sollte diese Nacht einfach nie enden. Es war dem oft kritisierten Kapitän Jordan Henderson wahnsinnig egal, als er seinen Vater umarmte und unter Tränen nicht mehr loslassen wollte.

    Jordan Henderson.

    Das nötige Glück, die neunzigminütige Mühsal, das interessiert nur den neutralen Fan. Wer unsterblich geworden ist, schert sich nicht mehr um solche Kategorien. Und Liverpool hatte ja im Halbfinal-Rückspiel drei Wochen davor beim 4:0 gegen Barcelona schon genug Feuerwerk abgeliefert.

    Emotionen bei den Emotionsmaximierern

    Die Reds sind Religion, zigtausende Fans kamen ohne Tickets nach Madrid – einfach, um dabei zu sein. Vier Mal stimmten sie im Stadion ihre Hymne "You’ll never walk alone" an, der Gänsehautfaktor nützte sich nur minimal ab. Der Trainer passt da perfekt dazu. "Ich möchte genießen, dass wir gewonnen haben. Alles andere ist nicht wichtig", sagte Klopp.

    der standard
    Die Liverpool-Fanmeile in Madrid: Bis zu 50.000 Reds-Anhänger feierten hier am Matchtag.

    Sein Kollege Mauricio Pochettino sagte: "Im Finale geht es darum, zu gewinnen, und nicht darum, schön zu spielen." Und wenig später wieder: "Es geht nicht darum, wer es verdient. Niemand wird sich daran erinnern, dass wir es vielleicht ein bisschen mehr verdient hatten."

    Gut möglich, dass Liverpool die Partie vielleicht mutiger oder zumindest aktiver angelegt hätte, wäre ihnen nicht dieser Elfer in den Schoß gefallen. Aber wäre, das ist auch so ein Wort, das Sieger nicht interessiert. Am Ende bleiben nur die Emotionen. (Martin Schauhuber aus Madrid, 2.6.2019)

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    Britische Pressestimmen:

    "Guardian": "Liverpool unter Klopp war ein Projekt, das auf Einbindung getrimmt war, darauf ausgerichtet, mehr als nur Erfolg auf dem Spielfeld zu vermitteln."

    "The Sunday Times": "Liverpool kam nicht einmal in die Nähe des Zusammenhalts oder der Intensität, für die sie unter Klopp bekannt sind – ihre Passgenauigkeit in der ersten Hälfte war weit unter ihrer Bestmarke und verbesserte sich nur marginal – aber an Abenden wie diesen geht es darum, den Job zu erledigen."

    "The Telegraph": "Er hat diesen schmerzvollen Weg nicht choreografiert, aber heute Früh werden sich all diese Verzögerungen als Teil eines größeren Plans anfühlen, um den Moment des Ankommens noch wunderbarer, noch bedeutsamer zu machen."

    "Independent": "Liverpools hat sich seit Jahren angebahnt."

    "The Sun": "Salah and Origi schießen Liverpool zum sechsten Champions-League-Titel, während die Spurs unscheinbar bleiben."

    "Daily Mail": "Liverpool herrscht wieder über Europa! Nach dem Schmerz vom vergangenen Jahr steht Salah bei der Zerstörung von Tottenhams Traum im Mittelpunkt."

    • Die Trophäe in Händen von Jürgen Klopp.
      foto: reuters/sergio perez

      Die Trophäe in Händen von Jürgen Klopp.

    • Mohamed Salah am Pokal.
      foto: reuters/kai pfaffenbach

      Mohamed Salah am Pokal.

    • Jordan Henderson unter dem Pokal.
      foto: reuters/toby melville

      Jordan Henderson unter dem Pokal.

    • Alex Oxlade-Chamberlain mit Freundin Perrie Edwards und dem Henkelpokal.
      foto: reuters/carl recine

      Alex Oxlade-Chamberlain mit Freundin Perrie Edwards und dem Henkelpokal.

    • Die Reds mit fetter Beute.
      foto: reuters/susana vera

      Die Reds mit fetter Beute.

    • Die Spurs gingen leer aus.
      foto: uefa/pool via reuters

      Die Spurs gingen leer aus.

    • Madrid in der Nacht auf Sonntag fest in Liverpooler Hand.
      foto: ap/ andrea comas

      Madrid in der Nacht auf Sonntag fest in Liverpooler Hand.

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