Video mit mutmaßlicher Polizeigewalt: Polizei prüft Einsatz nach Klimademo

    2. Juni 2019, 11:30
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    Aufnahmen zeigen einen Beamten, der mehrmals auf eine am Boden liegende Person einschlägt

    Wien – Auf der Nachrichtenplattform Twitter macht aktuell ein Video die Runde, in dem ein Polizeibeamter auf eine am Boden liegende Person einschlägt, während drei Beamte diese fixieren. Im Hintergrund ruft eine Stimme immer wieder: "In die Nieren!", mehrere Polizeibeamte stehen tatenlos um die Szenerie herum. Einige drehen den beiden den Rücken zu, andere verscheuchen schaulustige Passanten.

    Die Landespolizei Wien gibt an, in Kenntnis des Videos zu sein. Man habe es, so sagt Polizeisprecher Patrick Maierhofer gegenüber dem STANDARD, an die zuständige Stelle weitergeleitet. Nun werde überprüft, bei welchem Einsatz es zu dem Vorfall kam, welche Beamte im Einsatz waren und was genau passierte. In nächster Instanz gehe der Fall dann an das Referat für besondere Ermittlungen.

    Großeinsatz der Polizei am Freitag

    Das Video soll am Rande des Protests von Klima-Aktivisten, die am Freitagnachmittag den Wiener Ring bei der Aspernbrückengasse blockiert hatten, in der Nähe der Urania entstanden sein.

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    Sina Reisch, Pressesprecherin der Aktionsform "Ende Geländewagen" sprach in einer Presseaussendung von Gewaltandrohungen nachdem sich einige Aktivisten an dreibeinigen Holzgestellen, sogenannten Tripods, angekettet hatten. "Gestern hat sich gezeigt, dass das klimaschädliche System mit Gewalt durchgesetzt wird. Für einen Systemwandel ist es nicht mehr genug, nur zu demonstrieren", so Reisch.

    Bei der am Boden liegenden Person handelte es sich nach Angaben von Reisch um einen Passanten, "der an der Aktion vorbei lief und von unserem kreativen Protest spontan inspiriert war, ebenfalls mit zu protestieren. Dass er dafür solche Gewalt erfahren musste, ist schrecklich. Wir wünschen ihm das beste und hoffen, dass er keine bleibenden Schäden davon trägt", so Reisch.

    Mehrere Festnahmen

    Die Aktion hatte zu einem längeren Großeinsatz von rund 200 Polizisten sowie der Feuerwehr gesorgt, die aus ganz Wien zusammengezogen wurden. Zwei Personen seilten sich auch von der Aspernbrücke ab, zwei weitere hingen auf sogenannten Tripods, einem einfachem dreibeinigen Turm, auf der Straße. Die Aktivisten forderten einen radikalen Wandel des Mobilitätssystems.

    Die Mehrzahl der Teilnehmer hätten sich gegenüber der Exekutive nicht kooperativ gezeigt und nicht an den Identitätsfeststellungen mitgewirkt, weshalb fast alle der 100 Demonstranten vorläufig festgenommen wurden. Drei bis vier Aktivisten leisteten Widerstand und wurden deshalb ebenfalls festgenommen, so die Polizeiinformationen am Freitagabend.

    Neos fordern "volle Aufklärung"

    Die Neos forderten angesichts des Videos am Sonntag "volle Aufklärung" über den Polizeieinsatz. "Wenn die Polizei nicht das Vertrauen der Bevölkerung verlieren will, muss der Polizist umgehend identifiziert und suspendiert werden, bis der Fall geklärt ist", sagte die Neos-Politikerin Stephanie Krisper in einer Aussendung. Sie fordert eine rasche und transparente Aufklärung: "Dazu gehört insbesondere eine rasche Einvernahme aller Beteiligten, um Absprachen zwischen den PolizistInnen zu verhindern." (APA, red, 1.6.2019)

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