Meteoriteneinschlag lieferte auf Umwegen Schmuck für Pharaonen

    3. Juni 2019, 06:00
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    Forscher gingen der Frage nach, wie das im Alten Ägypten geschätzte Wüstenglas entstanden sein kann

    Wien – Libysches Wüstenglas wurde im Alten Ägypten als Rohmaterial für Schmuck überaus geschätzt. Beispielsweise ziert es einen Skarabäus auf einer Brustplatte (Pektorale), die man im Grab von Pharao Tutanchamun gefunden hat.

    Der Ursprung

    Gefunden wird das Wüstenglas in einem rund 2.500 Quadratkilometer großen Gebiet im Westen Ägyptens. Entstanden ist es durch einen Meteoriten, der vor knapp 30 Millionen Jahren auf die Erde getroffen sein muss und den Wüstensand in der Region aufschmelzen hat lassen. Dabei entstanden millimeter- bis zu dezimetergroße Stücke Quarzglas in verschiedenen Farbschattierungen.

    "Die meisten Gläser sind weißlich-gelb, manche ganz weiß oder dunkelgrau-braun, andere sind von dunklen Schlieren durchzogen", sagt Christian Köberl, Geochemiker der Universität Wien und Generaldirektor des Naturhistorischen Museums. Er hat 2003 und 2006 Gläser und Gesteine in der Region gesammelt und untersucht. Schon vor Jahren hat der Impakt-Experte festgestellt, dass sich in den Schlieren der Gläser eine meteoritische Komponente findet, "das ist eindeutig extraterrestrisches Material".

    Die Entstehung

    Offen war bislang noch, ob der Meteorit tatsächlich auf dem Boden eingeschlagen ist. Solche Gläser können nämlich auch entstehen, wenn Meteoriten noch in der Luft explodieren ("Airburst") und die dabei freigesetzte Hitze Material auf der Erde aufschmilzt. Allerdings produzieren Airbursts keine geschockten Materialien, dazu ist ein Druck von Milliarden Pascal notwendig, wie er nur bei einen Meteoriteneinschlag entsteht, schreiben nun Köberl und sein Kollege Aaron Cavosie von der Curtin University in Perth (Australien) im Fachjournal "Geology".

    Die beiden haben in Libyschen Wüstengläsern das Zerfallsprodukt von Reidit entdeckt. "Reidit ist eine Hochdruckmodifikation von Zirkon, die nur bei einem Druck von mindestens 30 Gigapascal und nur bei Schock entsteht – so etwas kommt nur bei Impakten vor, in normalen irdischen Prozessen kommt man über einige hundert Megapascal nicht hinaus", so Köberl.

    Dass es in der Region einen Einschlag gegeben hat, zeigt laut Köberl eine zweite Arbeit, die er gemeinsam mit dem Kurator der Meteoritensammlung des NHM, Ludovic Ferriere, im Fachjournal "Meteoritics and Planetary Science" veröffentlicht hat. "In der Region, wo das Libysche Wüstenglas vorkommt, haben wir in Gesteinen geschockte Quarze gefunden – das ist ein Anzeichen, dass dort ein Einschlag erfolgt sein muss", so Köberl.

    Klein, aber schnell

    Um die heute noch erhaltenen Überreste zu erzeugen, würde laut Köberl der Einschlag eines kleineren Objekts ausreichen, das aber eine hohe Geschwindigkeit aufwies und einen Krater von ein bis fünf Kilometern Durchmesser schlug. Dieser Krater ist nach Ansicht des Impakt-Experten im Laufe von 30 Millionen Jahren durch Erosion verschwunden.

    Für den NHM-Chef deutet alles darauf hin, dass "ein Airburst alleine eher unwahrscheinlich ist und es einen Impakt gegeben haben muss". Als Indizien nennt er die bereits früher festgestellten meteoritischen Komponenten in den Gläsern, wo nun auch Spuren von hohem Druck festgestellt wurden. Diese deuten auf einen Einschlag mit hoher Geschwindigkeit hin, ebenso wie das Auffinden von geschockten Quarzen in dem Gestein der Region. (APA, red, 3. 6. 2019)

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