Die Krisenkolumne: Der unwiderstehlichste Ex-Vizekanzler aller Zeiten

Kolumne1. Juni 2019, 17:00
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Gegen Hazee ist kein Kraut gewachsen

Nestroy, um ihn schon wieder zu erwähnen, hat einmal sinngemäß behauptet, es sei erstaunlich, was ein guter Abonnent alles aushält. Gut möglich, dass der alte Spötter dies spöttisch gemeint hat!

Was allerdings das Aushalten betrifft: So würde er heute nicht von Abonnenten reden, sondern von Strache-Wählern, die es freilich zu seinen Zeiten ebenso wenig gab wie Wodka Red Bull oder russische Putativ-Oligarchinnen auf Ibiza. Selbst der guteste Abonnent aller Zeiten könnte einem guten Strache-Wähler nicht das Wasser reichen.

Es wäre vermessen, aus dem Füllhorn des Exquisiten, mit dem unser Ex-Vizekanzler seine Adoranten in Bann schlägt, einen Einzelposten hervorzustreichen. Vielmehr ist es die Kombination lebensgeschichtlicher Liebenswürdigkeiten und gegenwärtiger Charakterstärken, die Strache unwiderstehlich macht: die neckischen Jugendjahre, der lustige Mummenschanz im Wald und auf der Heide, mit dem er den schönsten Traditionen Reverenz erwies, seine stets tadellose Façon de parler, die analytische Tiefenschärfe, mit der er auch die komplexesten Sachverhalte bündig auf den Punkt bringt ("Bevölkerungsaustausch").

Kann alles, weiß alles, darf alles

All diese Qualitäten des reifen Strache konnte man kumuliert in jenem Video bewundern, mit dem ihm ein unerkannter Bosnigl schaden wollte. Der Schuss ist nach hinten losgegangen. Denn Strache kann alles, weiß alles, darf alles. Er dürfte selbst das gesamte österreichische Trinkwasser karmesinrot färben oder um eine Stange Marlboro an einen internationalen Getränkemulti verkaufen.

Selbst wenn er nächtens in das Anwesen eines Fans eindränge, den Pitbull mit Paintballs beschösse und die Hauskatze dazu zwingen würde, eine zwanzig Zentimeter lange Linie Koks aufzuschnupfen, man nähme es ihm nicht übel.

Darum hat ihn nun auch sein Fankreis mit den nötigen Vorzugsstimmen ausgestattet, um Österreichs Ruhm ins Ausland zu tragen. Sollte er nach Brüssel gehen (Entscheidung bei Redaktionsschluss unbekannt) und von dort wieder zurückkommen, wird es nicht ausreichen, ihn zum Bundespräsidenten zu wählen.

Er muss auch die Ämter aller neun Landeshauptleute, der Höchstrichter, des Krone-Chefredakteurs und des ORF-Generalintendanten übernehmen. Denn Talente wie Strache darf man nicht verkommen lassen. (Christoph Winder, 1.6.2019)

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    foto: heribert corn, www.corn.at
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