"Le Monde"-Journalistin von Frankreichs Geheimdienst verhört

    29. Mai 2019, 15:49
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    Ariane Chemin pocht in Benalla-Affäre auf Quellenschutz

    Paris – Ungeachtet massiver Proteste französischer Medien hat der Inlandsgeheimdienst eine Journalistin der renommierten Tageszeitung "Le Monde" verhört. Bei der rund 45-minütigen Befragung der Reporterin Ariane Chemin ging es am Mittwoch um die Affäre um den früheren Sicherheitsberater von Präsident Emmanuel Macron, Alexandre Benalla, wie die Journalistin der Nachrichtenagentur AFP sagte.

    Chemin hatte den Skandal vergangenes Jahr aufgedeckt, der Staatschef geriet dadurch stark in Bedrängnis. Benalla hatte nach einer Prügelattacke auf Demonstranten bei der Pariser Maikundgebung 2018 seinen Posten als Sicherheitsberater Macrons verloren. Er schlug mit einem Polizeihelm bekleidet auf Menschen ein – obwohl er keine Polizeifunktionen innehatte. Die Opposition vermutet, dass der Sicherheitsberater illegale Sondervollmachten im Stab Macrons hatte. Sie wirft dem Staatschef vor, Benalla lange gedeckt und auch nach seiner Entlassung im Juli Kontakt zu ihm gehalten zu haben.

    Quellenschutz

    Der Geheimdienst DGSI wollte nach Angaben der "Le Monde"-Journalistin erfahren, wie sie im Zusammenhang mit der Affäre an Informationen über ein Armeemitglied kam. Chemin berief sich auf den Quellenschutz. "Ich habe ihnen erklärt, dass ich nur meine Arbeit als Journalistin gemacht habe", betonte die 57-Jährige.

    Neben Chemin wurde in dem Fall auch der Präsident der Geschäftsleitung von "Le Monde", Louis Dreyfus, vernommen. Französische Journalistenverbände und Redaktionen fürchten, dass der Geheimdienst im Auftrag der Regierung Druck auf Reporter ausüben will, ähnliche Enthüllungen künftig zu unterlassen. (APA, 29.5.2019)

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