Wieso dauert es eigentlich so lange, Elektroautos aufzuladen?

    28. Mai 2019, 10:57
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    E-Auto-Fahrer sind von den üblichen 7,4 kW genervt. Das hat technische und physikalische Hintergründe

    Ach, wie schön wäre es, wenn man mit dem Elektroauto die unendlichen Weiten des Straßennetzes ohne Zwischenhalt an einer Ladestation ausforschen könnte. Einzig die Batteriedauer hat etwas dagegen. Diese ist bei E-Autos beschränkt, aber warum kann sie an den meisten Ladestationen dann nur 7,2 bis 7,4 kW aufnehmen?

    Gleichstrom vs. Wechselstrom

    Das hat technische und physikalische Hintergründe, berichtet "Heise". Leser fühlen sich nun möglicherweise in die 3. Klasse Physik versetzt, denn letztlich geht es um die Unterscheidung zwischen Gleichstrom (DC) und Wechselstrom (AC). Die Batterie eines E-Autos kann nämlich nur DC verarbeiten.

    DC-Ladestationen gibt es aber wenige, AC-Ladesäulen dominieren im öffentlichen Stromnetz. Also haben E-Autos ein Onboard-Ladegerät, auch Gleichrichter genannt, implementiert. Dieser kann den Wechselstrom der Ladesäule in Gleichstrom umwandeln, den dann wiederum die Batterie aufnehmen kann.

    Begrenzte Gleichrichter

    So weit, so gut und das deutsche Stromnetz böte freilich auch eine höhere Stromleistung an – mit dem sogenannten Drehstrom, auch Dreiphasenwechselstrom. Vereinfacht gesagt, liefert er noch mehr Energie als Wechselstrom, weil er eben aus drei einzelnen Wechselströmen besteht.

    Das Problem: Den kann ein Gleichrichter nicht aufnehmen. Dieser verbraucht zwar viel Platz im Auto, ist teuer und schwer, aber trotzdem nicht sonderlich effektiv. Der Strom der AC-Ladestation kommt nur in geringem Ausmaß im Auto an, eben die üblichen 7,4 kW. Für dreiphasigen Strom bräuchte er dreimal so viel Elektronik und das einzubauen, zahlt sich für die Autobauer langfristig noch nicht aus. Am großen Markt Asien etwa, wo die Strominfrastruktur nicht so ausgebaut ist wie in Deutschland. Mehr als 7,4 kW Leistung sind also bis auf weiteres nur an den wenigen DC-Ladestationen möglich.

    Blick in Zukunft

    An Lösungen wird jedoch gearbeitet, aber dafür brauchen E-Autofahrer Geduld. Dreiphasige AC-DC-Onboard-Ladegeräte sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. In erster Linie müsse in den Aufbau des Stromnetzes investiert werden, meint "Heise". Dieses müsste effektiver arbeiten, also E-Autos etwa in der Nacht mehr Leistung zuführen als am Abend, wenn Haushalte den meisten Strom verbrauchen. Aktuell werden manche Autos an AC-Ladern über Nacht nicht einmal voll. Europäer sollten daher auf Autos mit Drehstrom-Ladung setzen. (red, 28.5.2019)

    • Ein E-Auto wird geladen.
      foto: reuters/wolfgang rattay

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