Europawahl und Klimawandel: Aufstand der Jungen

Kommentar27. Mai 2019, 18:41
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Die Ergebnisse der EU-Wahl zeigen, dass die Grünen bei den unter 30-Jährigen am stärksten punkten konnten

Grausliche Suffvideos von abgehalfterten Altpolitikern wie von Strache und Gudenus aus Ibiza interessieren Junge nur am Rande. Viel mehr Aufmerksamkeit widmen sie Youtubern – etwa jenem, der Tauchvideos postet und das Meer von Müll befreit. Das finden sie relevant, wichtig und richtig. Nicht nur an Freitagen, wenn sie mit den noch jüngeren statt Schule, Studium oder Job für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen. Wie wichtig dem Nachwuchs dieses Thema ist, zeigen die Ergebnisse der EU-Wahl deutlich: Bei den unter 30-Jährigen konnten sowohl in Österreich als auch in Deutschland die Grünen am stärksten punkten.

In Deutschland gab es vor der Europawahl einen Aufruf von Youtubern, weder die CDU noch die CSU noch die SPD noch die AfD zu wählen. Der Hauptgrund: Diese Parteien würden zu wenig für die Umwelt tun. Ob sich diese Nicht-wahlempfehlung auch direkt auf das Votum ausgewirkt hat, ist nicht belegt. Das Ergebnis war jedenfalls deutlich: Alle Genannten konnten nur vergleichsweise wenige junge Wählerinnen und Wähler überzeugen. Die deutschen Grünen jedoch schon.

In Österreich verhält es sich ähnlich: 28 Prozent der unter 30-Jährigen wählten die Grünen, das bedeutet Platz eins in dieser Kategorie. Erstaunlich dabei: Werner Kogler war kaum der Grund. Von allen angetretenen Spitzenkandidaten war er derjenige, der die wenigsten Wähler zum Kreuzerl motivierte. Hier ging es um Inhalte, nicht um die Person. Zum Vergleich: Für jene, die Türkis wählten, war Sebastian Kurz das wichtigste Wahlmotiv. Von den Jungen wählten jedoch nur 16 Prozent die Volkspartei.

Die Europawahl zeigt deutlich, dass die Vertreter der etablierten Politik ihren Draht zu den Jungen verloren haben. Diese wollen politische Handlungen statt Phrasendreschereien. Sie fordern rasche Lösungen für die Klimakrise und nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand.

Der Effekt ist ein Generationenkonflikt, der durch die aktuellen Wahlergebnisse augenscheinlich wurde. Die Jungen haben ihr Vertrauen in die vermeintlichen Zukunftskonzepte der ehemaligen Großparteien verloren, diese sind aber weiterhin an der Macht. Wollen sie das bleiben, sollten sie sich nicht nur mit einem Ibiza-Video beschäftigen, sondern mit der Lebensrealität von Jungen. Und vielleicht einfach kurz aus dem Fenster schauen: Der Klimawandel findet statt, auch politisch. (Rainer Schüller, 27.5.2019)

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