E-Zigaretten-Firma Juul will heimische Raucher zum Dampfen bringen

    27. Mai 2019, 15:08
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    Der Vertrieb startet im Juni in 1.000 Trafiken. Juul sieht sein Produkt als weniger schädliche Alternative zu klassischen Zigaretten

    Mehr Dampf, weniger Rauch. Mit dieser Mission tritt der US-E-Zigaretten-Hersteller Juul Labs knapp nach dem Marktstart in Deutschland nun auch in der "Rauchernation" Österreich an. Im Fokus stehen nämlich die 1,73 Millionen Raucher, denen Juul eine weniger gesundheitsschädliche Alternative zu Zigaretten anbieten will. Laut einer aktuellen Umfrage wollen hierzulande mehr als 73 Prozent der Raucher dem Glimmstängel abschwören – allein, nur wenige schaffen es tatsächlich. Dazu sieht Juul den nikotinhaltigen Dampf der E-Zigaretten als geeigneteres Hilfsmittel als Nikotinpflaster oder -kaugummis.

    "Im Unterschied zu den meisten anderen OECD-Ländern ist der Tabakkonsum in Österreich in den letzten Jahren nicht zurückgegangen, und die Quote regelmäßiger Raucher ist die höchste in Westeuropa", sagt Juul-Mitgründer und Ex-Raucher James Monsees. Dies will er ändern und verweist auf die USA, wo sich die Zahl der Zigarettenraucher derzeit um mehr als neun Prozent pro Jahr verringere. Vor dem Erfolgslauf von E-Zigaretten habe diese Rate bloß zwei Prozent betragen.

    Weniger schädlich

    Monsees betont mehrfach, dass internationale Gesundheitsorganisationen das Dampfen von E-Zigaretten für deutlich weniger gesundheitsschädlich halten würden, als Zigaretten zu rauchen. Keinen Kommentar möchte er dazu abgeben, ob gegen Juul Klagen wegen möglicher Gesundheitsgefährdung anhängig sind, und auch auf Fragen hinsichtlich des Suchtpotenzials reagiert Monsees ausweichend – und verweist auf den Pharmakologen Bernd Mayer von der Universität Graz.

    Das "geringe Suchtpotenzial" von reinem Nikotin wird Mayer zufolge bei Zigaretten verstärkt durch andere Inhaltsstoffe sowie das Ritual des Rauchens. Bei E-Zigaretten fielen zusätzliche Inhaltsstoffe weg, weshalb er das Sucht- und Schadenspotenzial als geringer einstuft. "Der Schaden beim Rauchen entsteht nicht durch Nikotin, sondern durch toxische Verbrennungsstoffe im Rauch", betont der Pharmakologe. Erhalten bleibt bei E-Zigaretten das Ritual des Rauchens – was für Mayer auch einen Vorteil darstellt. Dies helfe beim Umstieg und mache Rauchentwöhnung einfacher als mit Nikotinkaugummis oder -pflastern. Dass E-Zigaretten umstritten sind und manche diese für gefährlicher als Zigaretten halten, stuft Mayer als "drastische Fehlinformation" ein, "die völlig an den Fakten vorbeigeht".

    Auch hinsichtlich der anfallenden Kosten sieht sich Juul im Vorteil: Laut der Umfrage geben Zigarettenraucher hierzulande im Mittel 111 Euro pro Monat aus, Nutzer von E-Zigaretten nur 33 Euro.

    Marktstart im Juni

    Gestartet wird ab Juni in rund 1.000 Trafiken, die Juul-Produkte hierzulande mit einem Nikotingehalt von 20 mg/ml in vier unterschiedlichen Geschmacksrichtungen anbieten werden. Bis Jahresende soll der Vertrieb auf sämtliche Trafiken das Landes ausgeweitet werden, andere Vertriebswege sind nicht angedacht. Dabei pocht Juul auf strengen Jugendschutz, den das Unternehmen mittels Schulungen für Händler sowie Mystery-Shopping durch eine externe Agentur sicherstellen will: Bei wiederholten Verstößen wird die Zusammenarbeit beendet. Über Absatzziele will Monsees nichts verraten, zum angepeilten Marktanteil im Bereich E-Zigaretten meint er bloß: "Wir haben nur einen wirklichen Konkurrenten – und das sind Zigaretten."

    Der US-Marktstart von Juul, laut eigenem Bekunden US-Marktführer bei E-Zigaretten, erfolgte im Jahr 2015. Im Dezember 2018 war der US-Tabakkonzern Altria mit 12,8 Milliarden Dollar und somit 35 Prozent eingestiegen. (Alexander Hahn, 27.5.2019)

    • In den USA ist Juul, erst 2015 gestartet, laut eigenem Bekunden bereits Marktführer bei E-Zigaretten.
      foto: (ap photo/craig mitchelldyer

      In den USA ist Juul, erst 2015 gestartet, laut eigenem Bekunden bereits Marktführer bei E-Zigaretten.

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