Der Overall: Für Hacklerinnen ohne Allüren

    Kolumne30. Mai 2019, 09:00
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    Kaum ein Kleidungsstück erfreut sich derzeit unter jungen Frauen einer solchen Beliebtheit wie der Jumpsuit

    Es gibt Kleidungsstücke, die sind gemacht für turbulente Zeiten. Wer derzeit nicht nur von der Nachrichtenlage in Atem gehalten wird, sondern darüber hinaus gut beschäftigt ist, dem sei ein allürenfreies Kleidungsstück empfohlen. Der Overall ist so ein Teil: Er ist in Sekundenschnelle (zack, zack, zack!) übergestreift und auch was für Morgenmuffel: Selbst wer sich im Halbschlaf einen Einteiler anzieht, ist von jetzt auf gleich von Kopf bis Fuß angezogen.

    Diese selbstlose Hemdsärmeligkeit der einstigen Arbeiterinnen-Uniform wissen vor allem Frauen zu schätzen, die viel um die Ohren haben und trotzdem angezogen aussehen wollen. Das sind selbstverständlich nicht nur mit sich selbst beschäftigte Influencerinnen, sondern auch gestandene Modedesignerinnen (wie Stella McCartney) und ja, genau, Politikerinnen (wie Pamela Rendi-Wagner), die gerade wichtigere Dinge zu tun haben, als über fototaugliche Outfit-Kombinationen nachzudenken.

    foto: apa/afp/miguel medina
    Stella McCartney hat den Einteiler schon vielfach interpretiert. Die britische Designerin trägt das Kleidungsstück auch gerne selbst.
    foto: apa/roland schlager
    Sakko überm Overall: Die damals neu gewählte SPÖ-Klubobfrau Pamela Rendi-Wagner nach einer Präsidiumssitzung des Parlamentsklubs in Wien im Oktober vergangenen Jahres.

    Dass der Einteiler gerade jetzt wieder aufgetaucht ist, ist dem Zeitgeist geschuldet. Die Overall-Trägerin gilt als an- wie zupackend. So wie Frances McDormand, die in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" als Mildred Hayes auf den unaufgeklärten Tod ihrer Tochter aufmerksam machen will – und den Kampf in einem Blaumann aufnimmt.

    foxsearchlight
    Frances McDormand gab in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" den Racheengel im Blaumann.

    Von der Praktikabilität des Einteilers ist übrigens auch die österreichische, in New York lebende Stylistin Sabina Schreder überzeugt. Und zwar so sehr, dass sie vor eineinhalb Jahren eine eigene Kollektion an Overalls auf den Markt gebracht hat. Ihre Modelle sehen genauso aus, wie sie derzeit angesagt sind: robust, ein bisschen hemdsärmelig und mit einer Knopfleiste versehen.

    foto: christian anwander
    Die in New York lebende Stylistin Sabina Schreder verkauft unter ihrem Namen Sabina Einteiler.

    Frances McDormand hätte ihre Freude an ihnen. (Anne Feldkamp, 29.5.2019)

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